Heft 
(1897) 6
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14. (5. ordentl.) Versammlung des VI. Vereins]ahres.

ausserordentliche Seltenheit, welche eine Reproduktion bei dieser Ge­legenheit verdient.

Auch bezüglich der Schneckenkost sehen wir hier wieder die auf­fallende Scheidungslinie zwischen Nord- und Süddeutschland, die in der Hauptsache durch die Main- und Rheinlinie so zwar gebildet wird, dass das Schneckenessen noch hier und da in die mitteldeutschen Gelände übergreift. Auch hier ist gleich wieder der Sprachgebrauch zwischen Nord- und Süddeutschland verschieden. Wir sagen: die Schnecke, oberdeutsch sagt man noch jetzt: der Schneck. Schon Konrad von Gesner (geh. 1516 zu Zürich, f daselbst 1565) schreibt imFischbuch 195:Diese Schnecken haben ein glatt, rund, klein gehäuss, solche pflegt man hauffecht ob den Felsen zu samlen, das Fleisch von jnen zu nemmen, welches so es gesotten, gibt es ein rot gemüss, als ob es geferbt were. In den Rhein- und Mosel-Gegenden einschliesslich Belgiens (aber ausschliesslich der Niederlande) werden seit jeher, namentlich beim Früh­stück zum Wein, Weinbergsschnecken verzehrt. Ab und zu gesellt sich hierzu die mehr in Frankreich heimische Sprenkel - Schnecke (Helix adspersa Müller), ein wenig kleiner als die Weinbergsschnecke, die man beispielsweise in den Markthallen von Paris mit dieser zusammen in Massen vorfindet. Auch Belgien teilt diesen Konsum, während Gross­britannien die Landschnecken verschmäht. In Südfrankreich kommt noch eine Menge anderer essbarer Landschnecken hinzu, die sich an Arten-Zahl noch auf der pyrenäischen Halbinsel steigert, wo die Caracolleros, die Schneckensammler, eine eigene Zunft, den Markt be­sonders zur Fastenzeit mit Landsclmeckenspeise versorgen.

Ähnlich verhält sich die Schweiz, wo die wahren zur Gruppe der Helix pomatia gehörigen Species verzehrt werden, und insbesondere Italien, woselbst nach Süden zu bis Sizilien und die italienischen Kolonien in Malta und Tunesien die Zahl der gegessenen Landschnecken stetig zunimmt. Dasselbe gilt von Dalmatien, dem österreichischen Küstenlande, Istrien, Fiume. Ähnlich in Griechenland. Bei den Süd­slaven nimmt die Zahl der verzehrten Landschnecken-Arten wieder etwas ab, in den übrigen österreichischen Kronlanden, deutschen wie slavischen, werden meist nur die Weinbergsschnecken verzehrt. Dasselbe gilt von dem ganzen eigentlichen Süddeutschland.

Von der katholischen Kirche ist der Genuss der Landschnecken, die als erlaubte Fastenspeise gelten, begünstigt und verbreitet worden.*)

*) Auch in südlichen Gegenden im Hochgebirge, wo wegen der Kälte und des Futtermangels halber Helix pomatia nicht mehr gedeiht. So habe ich in den alten Küchenabfallhaufen des im 15. Jahrhundert gegründeten, ca. 5000 Fuss hoch bei Innsbruck belegenen Wallfahrtskloster der Serviten-Mönche, St. Maria Waldrast, im vorigen Jahre und früher wiederholt die Schalen verspeister Weinbergschnecken aus­gegraben. Wild kommt das Tier noch in dem am Fuss des Klosterbergs an d er Brenner-Strasse liegenden Flecken Matrei vor.