14. (5. ordentl.) Versammlung des VI. Vereinsjahres.
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Okkupationsarmee bis 1878 in Frankreich blieben; in und bei Belfort, bei Verdun, bei Toul batten die kleinen Leute ihr Schneekengärtchen, oft nur eine Art Drahtbauer oder Verschlag (Schneckengrube), worin die Tiere mit Rüben, Salat, Kohl, Brotabfällen und dg], gefüttert wurden. Die norddeutschen Okkupationskrieger haben sich allerdings, aus Vorurteil, nur selten entschliessen können, dgl. Schnecken, obwohl lecker farciert, bei ihren Quartierwirten zu gemessen.
Ergänzen kann man die Haus-Schnecken natürlich jederzeit durch wilde Schnecken, die häufig von armen Leuten zu diesem Zweck gesammelt werden. So sagt Jean Paul im Siebenkäs (Reclams Ausg., S. 54) von einer milden Augustnacht: „Die gefällten Saaten lagen ohne Rauschen in Garben um, und die eintönige Grille und ein harmloser alter Mann, der Schnecken für die Schneckengrube zusammenlas, schien allein in weiten Dunkel zu wohnen“. — Als ich nahe der Schlossruine von Donaustauf vor einigen Jahren nach einer für die Gegend seltenen, von mir vor Jahren daselbst zuerst entdeckten Schnirkel- schnecke, Helix austriaca (= vindobonensis) suchte und sie auch fand, fragte mich eine alte Frau treuherzig, ob ich die Schnecken zuin Frühstück verzehren wolle; es seien aber auch die grossen Weinbergsschnecken da, die schmeckten besser und gäben mehr her.
Verschleppt sind absichtlich und unabsichtlich die europäischen essbaren Landschnecken nach verschiedenen Ländern namentlich der neuen Welt. So z. B. hat sich die Pariser Zeitung „National“ aus Zürich das folgende Geschichtchen berichten lassen: „Gegen Ende des verflossenen Jahres gab der Konsul einer fremden Macht, der seinen Sitz in Zürich hat, einigen Freunden ein leckeres Mahl. Da er eine Vorliebe für Schnecken hatte, verschrieb er sich ein Kistchen der köstlichen Schalthiere aus Einsiedeln, und gedachte auch seine Freunde mit der Schüssel zu überraschen. Das Kistchen traf ein und die Köchin, der „cordon bleu“, wie Franzosen die Küchenfee wohl auch nennen, öffnete es mit gebührender Sorgfalt. Aber, welch’ Entsetzen bemeisterte die gute Frau, als sie die Schnecken des Herrn Konsuls in Heiligenbildchen und Denkmünzen verwandelt fand! Der Konsul, um den Vorgeschmack seiner Lieblingsspeise betrogen, schrieb nach Einsiedeln und beklagte sich bitter wegen des Missverständnisses. Die Antwort aber entwaffhete ihn, denn sie lautete: „Geehrter Herr, wir sind in noch grösserer Verlegenheit als Sie. Es war uns nämlich aus der Republik Argentinien der Auftrag zu Theil geworden, eine Sendung von Heiligen- bildchen und Denkmünzen dorthin abgehen zu lassen. Und wir Unglücklichen haben irrthümlicherweise Ihre Schnecken nach Südamerika expedirt. Sie sind bereits nach Buenos - Ayres unter Segel.“ — Wer wird dort das Kistchen öffnen? (Berl. Tagebl. 25, I, 1894.)