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14. (5. ordentl.) Versammlung des VI. Vereinsjahres.
Vielleicht tragen diese nützlichen Speise-Schnecken zu ihrer Ausbreitung in Argentinien bei.
Bezüglich Vorarlberg habe ich die dortigen grossen Schneckengärten i. J. 1869 (Zeitschr. für Ethnologie, I, S. 305) wie folgt geschildert: „Sie umfassen einen Flächenraum von 100 bis 3000 Quadratklaftern trocknen Grasbodens, der von Bäumen frei, rings von fliessendem Wasser umgeben ist. Auf solch einem Graben werden 15-bis 40 000 Schnecken, welche von Kindern im Walde gesucht und denselben mit 2 bis 3 Kreuzern per 100 Stück bezahlt werden, gezogen, täglich mit Gräsern und Kohlblättern gefüttert, am Wegtreiben durch das umgebende Wasser aber mittels eingesetzter Rechen verhindert, von denen man die angespühlten Schnecken abnimmt und in den Garten zurückbringt. Häufchen von Moos bieten Schutz gegen Kälte und Hitze, unter sie vergraben sich die Schnecken im Winter 2 bis 3 Zoll tief in die Erde und können dann, nachdem sie sich eingedeckelt haben, leicht ausgehoben und verpackt werden“. — Ähnliche Schneckengärtchen habe ich bei Ulm auf den von der Donau umspülten kleinen Wörthern gesehen.
Einer unserer berühmtesten Weichtierkundigen, Herr Professor Dr. Eduard von Martens hierselbst, teilt mir zur Sache folgendes mit: „Ich finde in einer Arbeit meines Vaters Georg von Martens über die württembergische Alp, welche 1820 (wahrscheinlich in der Zeitschrift Hertha von Berghaus und Hoffmann) erschien, S. 93 die Bemerkung: „Ein eigener Erwerbsartikel sind die Schnecken (Helix pomatia), welche in den Wäldern, besonders auf dem Hardt [Theil der schwäbischen Alp zwischen Münsingen und Feldstetten] von Kindern das Hundert zu 4 Kreuzer gesammelt und dann in Schneckengärten auf den Winter zur Versendung aufbewahrt werden. Von Anhausen und Judeihausen [Oberamt Münsingen] allein gehen jährlich über eine halbe Million Schnecken die Donau hinab. — In meines Vaters Schrift über Württembergs Fauna im Correspondenzblatt des landwirthschaftlichen Vereins für Württemberg 1830 veröffentlicht, werden mehre Orte auf der schwäbischen Alp genannt, wo Helix pomatia in Schneckengärten gesammelt und von wo sie eingedeckelt in Fässern zu je 1000 Stück nach Wien geschickt werden. — Ueber einen frühem Schneckengarten des Kapuzinerklosters in Appenzell, s. Hartmann, Gasteropoden der Schweiz, 1840, S. 107. Der Garten fasste 12 000 bis 19 000 Stück nach einer Rechnung von 1792. In einer neueren Beschreibung des Kantons Appenzell von 1887 ist derselbe nicht erwähnt und auch ich sah 1889 nichts davon. Nach Hartmann wurde das Hundert Schnecken von den Mönchen in Appenzell zu 10—12 Kreuzern, nach Wolf in Sturms Fauna, Würmer, Heft I, 1803 in Nürnberg zu 24—28 Kreuzer (60 Kreuzer —; 1 rhein. Gulden) gekauft“.