14. (5. ordentl.) Versammlung des VI. Vereinsjahres.
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Bei der Landwirtschaftlichen Ausstellung zu Berlin im Dezember 1895 sah man, wie der Berichterstatter der „Vossischen Zeitung“ am 19. dess. zutreffend bemerkte, „eine Zuchtausstellung, die bei uns ganz unbekannt ist, nämlich die Zucht der Weinbergsschnecken“. Es war ein Schneckengärtlein, wie es die Schneckenbauern anlegen, natürlich im kleinen, welches zu Nutz und Frommen unserer Bewohner im Betriebe vorgeführt wurde.
In Immensee nahe der Hohlen Gasse von Küssnacht , Kanton Luzern , sagte mir im Mai 1893 die Wirtin, als ich Weinbergsschnecken auflas, dieselben würden dort nur im W T inter gegessen, namentlich gern mit Sauerkraut. Die Geistlichen, insbesondere die Kapuziner - Patres, wüssten sie am besten zu bereiten.
In der Johannisnacht spielt im mittleren und südlichen Italien das Schneckenessen eine Hauptrolle. Dr. Hans Barth schreibt darüber im „Berliner Tageblatt“ unterm 24. Juni 1896 folgendes:
„Das nächtliche Bacchanal des S. Giovanni-Festes in Rom ist vorüber, und ach! — zahllose arme Schnecken sind nicht mehr, Legionen wohlgefüllter Liter sind ihrem Berufe zugeführt. Wohl 100 000 Römer und Römerinnen, samt kleinem Volk, trieben sich von elf Uhr bis in die Morgenstunden auf den phantastisch erleuchteten Plätzen am Lateran , von Santa Croce oder vor der Porta S. Giovanni herum, wo die bereits bestehenden Kneipen durch eine Menge improvisirter Trinkbuden verstärkt waren.
Da wurden die üblichen Nelken ausgeboten, womit sich Männlein und Weiblein schmückten, die in Blüte geschossenen Knoblauchstengel, die grossen und kleinen Tonglocken, von denen Rom ein paar Tage lang widerhallen wird, — dazu ein Heer, nein, eine „grande armee “ von Bettlern, Musikanten, echten und falschen Krüppeln, an die Tausende. Alle machten natürlich gute Geschäfte, denn der Römer ist mildherzig ; und statt dem ihn mit seinen Marterinstrumenten umringenden Gelichter den Laufpass zu geben, wirft er ihm oft seine Soldos zu, und ... die Marter verlängert sich. Der arme „Festteilnehmer“, der sich an seinem knusperigen Schneckengericht (die Hälfte der Schneckenhäuschen ist leer, die geleerten Häuschen werden einfach in den Kessel geworfen und von Neuem aufgetragen, um die Portion recht gross erscheinen zu lassen) delektieren, der arme Wandersmann, der etwa bei Schnecken und Wein in der „Faccia Fresca“ sass und sich gütlich thun wollte — welche Unterbrechungen harrten seiner! „Signore, faccia la caritä!“ („Herr, ein Almosen!“) wimmert ein aus irgend einem Asyl davongelaufener Krüppel und hält uns einen grässlichen Armstumpf unter die Nase u. s. f.“
Die Betriebsart, welche wir in unserer Provinz Brandenburg in den Schneckengärten einführen sollten, ist in folgendem Bericht zusammengefasst,
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