Heft 
(1897) 6
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17. (7. ordentl.) Versammlung des VI. Vereinsjahres.

Neubau den Unterirdischen dargebracht werden und ferner die Alraune*) ausgeschlossen, beide Sammlungen sind so reichhaltig und für die Heimatkunde so wichtig, dass ich mir Vorbehalten muss, sie bei Ge­legenheit besonders Ihnen vorzuführen.

Ich teile die ausgestellten Gegenstände nach dem naturgeschicht­lichen System in solche aus dem Tier-, Pflanzern- und Steinreich ein.

a) Aus dem Tierreich.

1. Rückenschild der märkischen Schildkröte (Emys euro- paea), geschossen um 1850 bei Eberwalde. Aus dem Besitz des Geheimen Kommerzienrats Louis Ilavene, Vaters des jetzigen Besitzers der berühmten von uns besuchten Gemäldegalerie**). Von jenem als Geldschwinge ge­braucht. Ihm nahm sie sein jüngerer Stiefbruder Gustav Ravene ab, vor dem icli sie erhalten und dem Märkischen Museum (B. VIII. 33b) einverleibt habe. Die Schildkröte gilt in ganz Norddeutschland als ein glückbringendes Tier. Man hält sie gern lebend in denDrank-Toniren, aus denen man das Vieh versorgt, die Rückschalen benutzt man als als Salzmetzen, als Geldschwingen und zum Messen von Korn und Mehl, immer in der Meinung, dass dies Glück bringt***).

2. Ein Bezoarstein (B. VIII. 789), am 25. März 1877 durch den Apotheker E. Schenk aus einer norddeutschen Apotheke erhalten. Es ist eine rundliche aus schaligen Ablagerungen gebildete steinartige kugelige Verhärtung, welche sich im Magen der Bezoar-Ziege oder Paseng (Capra aegagnis Gm.) findet, die in den Gebirgen Persiens und des Kaukasus lebt; diese Magensteine gelangen als orientalischer Bezoar in den Handel. Der von dem amerikanischen Vieunna (Vigognetier, Auchenia vieunna L. aus den Anden) stammende Bezoar gilt bei abergläubischen Leuten als weniger wirksam. Wird noch jetzt als geschätztes (eingebildetes) Heilmittel, occidentaliseher Bezoar, teuer bezahlt.

3. Dreimal drei Schuppen vom Karpfen (Cyprinus vulga­ris L.) von der Mutter des beim Märkischen Museum beschäftigten Bureau-Assistenten Sonnenburg demselben i. J. 1866, da er zu Felde zog, in Tuch eingenäht und als segenbringend mitgegeben.

4. Zwei gewaltige 3 cm lange, Vj cm hohe Schuppen vom Königs­karpfen, Cyprinus rex cyprinorum L., auch Spiegelkarpfen, Cyprinus specularis Bloch, genannt, weil die wenigen, dafür aber sehr umfangreichen Schuppen, welche dieser domestizierten Spielart des gemeinen Karpfens eignen, mit Spiegeln verglichen werden.

*) Vgl. 0. Bolle:Zur Kunde von der Alraunwurzel.Brandenburgia IV, 3C4-

**)Brandenburgia VI, 63.

***) Vgl. Niederlausitzer Mitteilungen Bd. V, Guben, 1897, 8. 57, No. 4 bis 6.