17. (7. ordentl.) Versammlung des VI. Vereinsjahres.
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Ein solir geschätzter Talisman ist der Adlerstein (Achilleum resonans Puggaard), VIII. 1181 der Tafel, aus der weissen Schreibkreide der Insel Möen, nahe dem Dronningestol stammend, mir von dem Ornithologen Alexander von Homeyer vor einigen Jahren übergeben. Erich Pontoppidan, Versuch einer natürlichen Historie von Norwegen. I. Teil, Kopenhagen 1753, sagt darüber S. 314: „Aetites oder Adlersteine findet man hier sowie anderwärts in den Nestern der Adler, die, wie es wahrscheinlich ist, von diesen Vögeln diesfalls hineingelegt worden, um darinn die allzuheftige Wärme zu mässigen, die die rauchende Brust der Mutter bey sich führen kann, vornehmlich da der Adler ein hitziger "Vogel ist. Ich besitze einen, der, wenn er geschüttelt wird, klapjiert und zu erkennen giebt, dass er in seiner Dichtigkeit ein anderes dichtes Wesen erhalte. Von der verschiedenen Kraft, die ihm beygeleget wird, redet Olaus W T orm (in Museo p. 78) mehr als genug, indem ich denke, dass Einbildung und Aberglauben den grössten Teil daran haben“. — Es handelt sich um einen fossilen Schwamm, der auch in der RügenschenKreide häufig ist. (Christoph er Puggaard, Geologie der Insel Möen. 1852 S. 12, E. Boll, Die Insel Rügen, 1858 S. 79.)
Die Adler- oder Klappersteine habe ich nach Rügenscher Vorschrift, wie folgt, öfters präpariert. Sie werden erwärmt und mässig geklopft, ln die Löcher der 3 bis 4 mm. starken Feuersteinschale führt man Nadeln und lockert damit die kreidige Masse, welche sich zwischen der Schale und dem vieleckigen Kern von Kieselerde befindet. Durch Schütteln wird die Kreide entfernt und schliesslich sich der innerste Kieselkern derartig allseitig freigelegt, dass er beim Schütteln klappert, daher man die Adlersteine, wie schon angedeutet, auch Klappersteine nennt. Die alten Helden, Berserker und Wikinger trugen die Adlersteine als Siegessteine bei sich, jetzt thun es Burschen, die auf das Raufen ausgehen. Auch Frauen sollen sie in gewissen Verhältnissen dienlich sein, namentlich, die Geburt erleichtern, als Lösesteine.
Ferner sei noch bemerkt, dass bei den Adlersteinen wiederum Vermengungen ganz verschiedener Versteinerungen Vorkommen. Es werden nämlich auch mehre Genera und Species von Krötensteinen, Galerites, wie Ananchytes, Adlersteine genannt. Der Adler packe diese Steine, wenn sie noch weich sind, um sie in sein Nest zu tragen und dabei drücken sich, nach dem Volksglauben seine Fänge teils in Täfelchen, teils sternförmig ab, je nachdem dieZeichnung des betreffenden Seeigels ist/-)
*) „Wie im Gebiete der Juraformation der fingerförmig gestaltete Belemnit (Teufelsfinger) substituierend für das prähistorische Steingerät eintritt und vom Volke nüt diesem verwechselt wird, so an der Nordseeküste die versteinerten Echiniten. Das Volk nennt sie dort „Grummelsteene“, „Adlersteine“, „Gos-Aren-Steene“ (Gänseadlersteine) und Krallensteine, weil Adler sie, als sie noch weich waren, mit ihren Krallen erfasst und dadurch geformt und gezeichnet haben sollen. Wer diesen Stein heim Gewitter auf den Tisch legt, wird nicht vom Blitz getroffen“, K. A n d r e e.