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17. (7. ordentl.) Versammlung des VI. Vereinsjahres.
Schliesslich lege ich 9 sogen. Bonifacius - Pfennige aus der Nähe der Burg lleldrungen (Sachsenburg) in Thüringen vor. Diese nach dein Heiligen Winfried genannten scheibenförmigen Versteinerungen, welche eine ungefähre Ähnlichkeit mit Münzen haben, werden im Geldbeutel, wie Karpfenschuppen und als Heckpfennige, damit man immer Gehl darin habe,getragen. Geschenk unsersMitgliedes Dr. Gustav Albrecht.
II. Nicht Versteinerungen.
Sehr bekannt und geschätzt als Glücksteine sind die vom Volk bei uns sogenannten Schw alb ensteine. weil man sie angeblich in Schwalbennestern findet, was ebenso fabelhaft ist, wie dass die Adlersteine aus Adlernestern stammen sollen. Man wendet sie u. A. bei Augenleiden an, und da eine Schwalbe bekanntlich den alten Tobias in einer etwas un- botmässigen Weise geblendet hat, so meint man, dass umgekehrt der Schwalbenstein gegen Augenübel helfe. So soll der Blifzstein (Donnerkeil), den der Blitz angeblich geworfen, gegen den Blitzschlag das Haus, unter dessen Schwelle er vermauert ist, schützen; dieselbe mystische Vorstellung.
Unser geschätztes Mitglied, Herr Willibald von Schulenbiu'&> in einem sehr lehrreichen Aufsatz „Die Steine im Volksglauben des Spreewaldes“, Zeitschr. für Ethnologie, Bd. XII, 1880, S. 252 tlg. bildet einen Schwalbenstein aus dem Spreewald, S. 254, Fig. 1, allerdings ungenügend, nämlich ohne das charakteristische krause Geäder der Oberfläche, ab und bemerkt dazu: „Nächst den besprochenen Kröten- und Schlangenkronen dürften die sog. „plätschigen“ oder Blitzsteine ihren Platz finden. Diese kleinen, glatten, (Tuiflreln Feuersteine von bohnenförmiger Gestalt ohne wahrnehmbare Bisse, welche in steinigen Gegenden häutiger sind, finden sich selten in Burg. Ihr Wert wird erhöht durch eine Sage. Als Jesus Christus starb, haben die Felsen gesplittert. Daher findet man nie mehr einen Stein ohne Bisse, nur die erwähnten machen eine Ausnahme. — Sie sind so glatt, weil sie mit dem Blitze kommen, das „I’lätschige“ ist von der Luft abgezogen und hat vom Blitzstrahl gelitten. Wo dieser eingeschlagen und Strahlen gerissen hat auf Wiesen unter dein Basen, da findet man sie, aber selten. So das Volk. Die „Blitzsteine“ gelten als wertvolles Mittel bei Besprechungen und Krankheiten^ sind jedoch wegen ihrer Seltenheit weniger bekannt“.
Hierzu habe ich folgendes zu bemerken: die Schwalbensteine haben den Geologen in neuerer Zeit mehrfach beschäftigt und scheint über dieselben noch nicht das letzte Wort gesprochen zu sein. Wer sich näher unterrichten will, vgl. L. Meyn über „Wallsteine“, Zeitschr. der Deutschen geol. Ges. XXVT, 1874, S. 50 flg., E. Läufer: „Über „’Wallsteine“ und ein Puddingsteingeschiebe aus der Umgegend von Berlin“, Jahrb. d. Pr. Geol. Landes - Anstalt I. 1880,
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