Heft 
(1897) 6
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17. (7. ordentl.) Versammlung des VI. Vereinsjahres.

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leitiüi %oin Morsum Cliff auf Sylt, meist alles von mir persönlich gesammelt. Ferner Eisengeoden in Form einer Hexenpfeife (wirklich zum Pfeifen geeignet), Ile xenrö hren, pp. von SeecTörTbei Lenzen a. E. (Prediger IlandtmannJ

Eine andere Form der Schutz- und Trutzsteine sind die Truden- stejne*), die gegen die Nachtmar, die Hexe, den Alb, die Trude, insbesondere gegen das so quälende, scheussliche Albdrücken schützen! Es werden verschiedene von meiner Privatsammlung ins Märkische Museum übergegangene, aus Norddeutschland, z. T. aus der engem Heimat stammende vorgelegt.

Den I rudenstein kann man nur bei einem glücklichen Ausgang finden, oder man muss ihn erben, oder man muss ihn stehlen, denn das ist die Regel bei all dergleichen Talismanen geschenkte oder gekaufte lalismane nützen nach der Volksmeinung nicht viel. Der I rudenstein ist scheinbar meist nur ein ganz gewöhnlicher Kieselstein oder ähnliches, allein er muss von Natur aus durchbohrt sein. Je kleiner und je schwärzer er ist, je kostbarer ist er auch. Diese Truden­steine sind den Truden aufs Ausserste verhasst, denn wo ein solcher Stein hängt, da können sie nicht an die Bettstatt, ausser sie liessen das Wasser durch das Loch des Steins, damit wäre aber gleichmässig für sie auch der Zauber gebrochen. Da nun die Truden den Sechs­wöchnerinnen und den Kindern leider auch manchen Erwachsenen! gar so gerne zusetzen, so hängt die Hebamme auf eine Weil diesen Trudenstein an oder in der Bettstatt auf. Erwachsene thun ihn unters Kopfkissen, am besten hängen sie ihn sich um. Wie hoch das Volk die Gewalt dieses Trudensteins schätzt (bemerkt ein ausgezeichneter Heimat­kundiger Karl Freiherr von Leoprechting in seinen lehrreichen MitteilungenAus dem Lechraiu, München 1855, S. 92 %.), mag man unter anderm daraus ersehen, dass die frühere Hebamme in Stoffen, so übrigens noch wohl am Leben, einen solchen Stein besitzt, den ihr Mann selig als lediger Bursch in Russland, von wo er einer der wenigen der vielen Tausenden von Bayern, die dort hingezogen, zurückgekommen, gefunden hat. Durch all das Elend, über Hunger und Frost hinaus hat er den Stein zu bewahren gewusst und glücklich mit heimgebracht. So timt der Stein, in Russlands Schneegefilden i. J. 1812 gefunden, noch immer seine Dienste.

Ein sehr interessantes Stück, hierher gehörig, VIII. 535, ist der heut vorgelegte Melkstein, der nach dem Geber, dem seiner Zeit bekannten hiesigen arcliiioliigischen Schriftsteller und Schauspieler George Hiltl ursprünglich einem Grabhügel bei Hohen-Zieritz, dem Sterbeort der

*) Unter Trudensteinen versteht man z. B. im mittleren Deutschland auch Steinblöcke mit Näpfchen und anderen künstlichen Bearbeitungen. Vgl. Reymtzsch: Tiber Truhten und Truhtensteine. Gotha, 1802, S. 49 flg.