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17. (.7. ordentl.) Versammlung des VI. Vereinsjahres.
Donar, lliunav, Ihor heilig war. Denn nm heidnisch-germanische Sitte liandelt es sich liier.
herner sei vorgelegt ein M ilchste in, ebenfalls ein Zaubergerät der Mebeamme, es ist ein pyramidenförmiger Krystall von Alaun (Alumen cj'udum) A. MIL 551; wenn der Kindbetterin die Milch stockt, streicht man mit dem Milchstein über Brust und Schulter, damit die Milch sich gehörig verteile.
Sodann mehre Exemplare vom Blutstein (Lapis haematitis), es ist ein faseriger Roteisenstein, von den Bergleuten auch Glaskopf genannt. Haematitis, Blutstein nennen schon Theophrast und Plinius dies Mineral, welches sie aus geronnenem Blute entstanden sich dachten und daher demselben blutstillende Kraft zuschrieben. Die Hebeamme schabt von dem Stein linde etwas ab und giebt es den Sechswöchnerinnen in einem Glas Wasser zu trinken. Auch sonst wird der Blutstein, noch viel, auch in Berlin , zum Blutstillen gebraucht. Nr. VIII 826 der Tafel, mit dem Krötenstein \III 827 zusammen sorgfältig verwahrt in der Schlossruine Fürstenfelde gefunden. — VIII 790, stengelich, aus der Mark Brandenburg, desgl. VIII 552, 553 und 1133. Einer der Steine bezeugt, dass er scharf gebraucht worden sei. Hermann in seiner Maslographie (Brieg, 1711), einer wahren Fundgrube der Heimatkunde, sagt S. 167: „Tm Weh-Thun soll man mit einem Blut-Stein^ auf einem (Donner-) Keile reiben, und was abgerieben, der rote Fluor gut dafür sein“.
Unter den „figurierten Steinen“, wie die alten Mineralogen und Archäologen zu sagen pflegten, scldiessen sich hier noch die Donnerkeile an. Aber bei keinem Erzeugnis des Volks- und Aberglaubens ist die Verwirrung grösser als hier, sowohl, was das Volk selbst anlangt, als was die Gelehrten betrifft. Unter Donnerkeilen versteht man im ursprünglichen Volksglauben keilförmige Schmelzungserzeugnisse des Blitzes oder durch letzteren hervorgerufene Absplisse von Felsen und Steinen. Diese hat der Donnergott selbst erzeugt oder geschleudert,
Schon früh verwechselte man aber hiermit die aus der Steinzeit stammenden, von Menschenhand gefertigten Stein-Beile, -Keile, -Äxte und ähnliches. Da nun der Steinhammer das Attribut des Donnergottes ist, so lag es nahe, als die Erinnerung an das Verfertigen von Steingeräten verschwunden war, jene in Urnen oder sonst ausgegrabenen oder anderweitig durch Zufall gefundenen Artefakte als Wurfgeschosse des Donnergotts und in abgeblasster, mehr rationalistischer Vorstellung als Produkte des Blitzes anzusehen. Daneben hielt man aber auch Naturerzeugnisse, namentlich auch die ßeleinniten, mitunter selbst die Bufoniten (Echiniten etc.), sowie keilartige Gerolle und Geschiebe, wie sie besondeis als vom Winde kantig oder rundlich abgeschliflene Quarzite Vorkommen,