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17. (7. ordentl.) Versammlung des VI. Vereinsjahres.
für Donnerkeile. Besonders geschützt waren und sind noch jetzt selbstredend die stets nur undurchbohrt vorkommenden Fe u er stein keile, gemuschelt bearbeitet oder geschliffen oder poliert, denn der Flint schlügt Funken und ist der eigentliche Stein des Thunar. Daneben aber auch Keile aus Diorit, Diabas, Kieselschiefer und anderen Materialien; hier werden, weil der Aushöhlung eine besondere Zauberkraft bei- geniessen wird, die Keile mit vollständiger oder wenigstens begonnener Durchlochung bevorzugt.
Die Donnerkeile, deren wir im Märkischen Museum aus allen (.Testeinsarten unserer Provinz viele Hunderte besitzen, schützen vor allem gegen Blitzschlag, besonders die flintenen Keile. Als ich vor Jahren mit dem verstorbenen geschützten märkischen Altertumsforscher Pastor Bernhard Ragotzky zusammen den Freiherrn Eugen Edle Dans zu Putlitz, jüngeren Bruder des Dichters Gustav zu Putlitz auf dem Stammgut lletzin, Kreis West-P r iegn it z, besuchte, war die rechts vom llerrenhau.se stehende Scheune, nach zweimaligem Ahhrenuen durch Blitzschlag, kürzlich zum dritten Male aufgebaut. Beim Richten des Dachstuhls hatte die Axt des Zimmermanns Funken geschlagen. Der Blitz wird also, so sagte man uns, die Scheune sich zum dritten Male holen. Warum hängen sie nicht einen Donnerkeil auf?
Unsere Altvorderen waren deshalb nicht selten vorsichtiger. Unbekannte verstorbene Altertumssammler Budach in Greifswald zeigte mir vor mehreren Jahren einen grauen Feuersteinkeil, den man daselbst, als das grosse Weissenbornsche Haus Ecke Baderstrasse und Fisclunarkt umgebaut wurde, unter der Ilausschwelle verwahrt gefunden hatte. Dergleichen Beispiele vom Vermauern oder sonstigen Anbriugeu von Donnerkeilen in Wohnhäusern und Viehstüllen unserer Heimat liessen sich noch mehrere anführen.
Noch Ende vorigen Jahrhunderts sieht sich der Rigaer Gelehrte J. B. Fischer in seinem „Versuch einer Naturgeschichte von Livland“ (2. Aufl. Königsberg, 171)1, S. 748 im § 40 unter der Überschrift „Belemniten, Alpschosssteine, Donnersteine der Alten „Belemnitae“ von den paläontologischen Donnersteinen gemässigt, folgendes zu sagen. „Jussion hält sie für Werke der Kunst, und zwar für Steine, welche die Alten in Ermangelung des Eisens zu Werkzeugen gebraucht haben. S. dessen Aldiandl. vom Ursprung und Gebrauch der Donnerkeile, in den physik. Abhandl. der Acad. der Wissensch. zu Paris, 7. Th. S. 74—77. Wider dieses Meinung streitet ihr innerer Bau, und die ehymischen Versuche, die man mit ihnen angestellt hat, und welche deutlich beweisen, dass sie tierischen Ursprungs sind.“
Umgekehrt hat der brave Hermann, Maslographiu 100—107, genug zu thun, um zu beweisen, dass die Donnerkeile genannten Stein- gerüte keine Erzeugnisse des Blitzes seien: „Insgemein werden sie