Heft 
(1897) 6
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17. (7. ordentl.) Versammlung des VI. Vereinsjahres.

Als zauberkräftig werden sie nach Hermann S. 167 wie folgt erachtet:1. Wo ein Donner-Keil im Hause, da soll das Wetter nicht einschlagen. 2. Wer einen linde, der soll ein glücklicher Mensch seyn. 3. Die Saat glücklich zu verrichten, müsse man Donner-Keile im Säe- Tucli haben. 4. Ein Kind, das den Urin nicht lassen können, solle man aus drey Donner- oder Wasser-Keilen baden. 5. Wenn einer feste wäre, und man schabe etwas vor einem Donner-Keile, und schiesse damit, so müsse er aufgelöset werden. Man müste aber drey Donner-Keile haben, ob man gleich nur von einem was schabet. 0. Donner-Keil |mlverisirt und gebraucht soll den Urin treiben, und wieder die Gelbsucht ein Speciiicuin seyn, auch Wieder die schwere Noth heltfen. 7. Im Weh-Thun soll man mit einem Blutstein auf einem Kelle reiben, und was altge­rieben, der rothe Fluor gut dafür seyn. 8. Donner-Keile sollen den Schlaft' befördern, und die kleinen Kinder, wenn sie ihnen in die Wiege geleget, vor dem Bruch bewahren. 0. Donner-Keile sollen für die pesti- lentzialische Lufft und wieder alle Gifft dienlich seyn, dieweil dupiter die Pfeile von sich schiesst, und die Jovialische Gestirne für glücklich geachtet werden; der Stein soll schwitzen, wenn Gifl't vorhanden ist. 10. Am thörichtsten tliun, die den Donner und dessen Donner-Keile vor ihren Gott halten.

Unser geschätztes Mitglied Wilibald von Schulenburg hat sich mit dem Steinaberglauben unserer Wenden wiederholt beschäftigt. Bei ihnen ist das vorgeschichtliche Steingerät ein Gewitterstein. Die Löcher darin hat der Blitz geschlagen (Wendische Volkssagen. Leipzig 1880,270). Aus dem Aufsatz:Die Steine im Volksglauben des Spreewaldes Zeitschrift für Ethnologie, XII. Bd. Berlin 1880, S. 252260 wird folgendes entnommen:Man braucht sie [die Steinteile] gegen verschiedene Leiden, z. B. Halsübel, Seitenstechen u. a., besonders auch gegen die Kulka, die sogenannte Mutterplage. Entweder werden die Steine gegen die leidenden Stellen gedrückt oder gestrichen, oder sie werdengetrunken. Zu diesem Zwecke feilt man den Stein aus und und trinkt den Steinstaub mit Wasser; die Wirkung wird noch weit über die des Pfeifenschlammes, den manche gebrauchen, gesetzt. Auch beim Rindvieh wird der Stein gegen diewaka (Geschwulst am Kinn) gebraucht; dazu hängt man ihn dem Vieh mit einer Strippe um.

Wenn aber die Krötenkronen (Echiniten) als heilkräftig bezeichnet wurden, so gelten für viele auch andere Steine, welche man zu­fällig, z. B. beim Graben, in der Erde findet, und welche nach der Volksanschauungwie Kröten ausgewachsen sind, als Mittel, um Beulen und auch sonstige Übel beim Vieh zu vertreiben. Als solche fand ich sogar alte zerbrochene Schleifsteine mit ausgeschlift'ener Mitte, kolbenartige Steine u. dergl., aufbewahrt. Um in dergleichen Bildungen Beziehungen zur Kröte zu finden, ist allerdings die bedeutende Einbildung«-