Heft 
(1897) 6
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17. (7. ordentl.) Versammlung des VI. Vereinsjahres.

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kraft eines unversehrten Volksglaubens erforderlich; es beweist dies gleichzeitig, in wie hohem Masse in älterer Zeit Beziehungen gesucht und gefunden wurden. Fig. 4 zeigt einen solchen Krötenstein.*)

Wenn ferner, wie erwähnt die Löcher der Steinbeile als Wirkung des Blitzes betrachtet wurden, so erfreuen sich nicht minder die natür­lichengewachsenen Löcher der Feuersteine einer erhöhten Bedeutung.**) Dergleichen Feuersteine mit durchgehenden Löchern werden gegen Beulen undSchwären dem Vieh umgehängt, bis das Übel ver­schwindet. Haben sie es angezogen, so nimmt man sie ab. Vielleicht sucht mancher durch Übertragung des Steines auf einen anderen das Übel los zu werden, wie solcher Glaube in verschiedenen anderweitigen Gebräuchen zu 'Lage tritt, wenn man beispielsweise zu Ostern dem Nachbarn mit dem Stubenkehricht die Flöhe zuwirft, beim Schnupfen den Nasenschleim einem andern auf die Thürkliuke schmiert, Kranke Speichel in verschiedener Papierhülle auf den Weg legen, Stecknadeln fallen lassen u. dgl. m. So besitzt Schreiber dieses einen durch­bohrten Stein, welcher einem Wenden in einem andern Dorfe bei seiner Abwesenheit in den Kahn gelegt wurde, vielleicht, um ihn mit demselben irgend eine Krankheit mit dem Strome des Wassers oder über die Grenzen fortschleppen zu lassen.

Lediglich glückbringend sind die Kamuski (d. li. Steinchen), kleine weisse Kiesel, deren Form gleichgültig ist.***) Wer seines W'eges geht und zufällig ein solches Steinchen findet, betrachtet den Fund als eine Fügung und steckt den Stein ein.f) Man trägt ihn dann

*) Nach dieser Abbildung, S. 256, zu urteilen, ist dies nichts als ein wahr­scheinlich quarzitischer rötlicher sogen. Windschliffstein, der in der Diluvialzeit durch Wind und Flugsand tiischchenartig an vielen Stellen glatt ausgeschliffen ist.

E. Friedei.

**) Der Feuerstein hat von jeher die Phantasie, selbst der Gelehrten, erregt) und sie haben sich über die Erstehung dieses kieseligen Minerals weidlich den Kopf zerbrochen. So ruft Johann Friedrich Henkel: Idea generalis de lapidum origine per observationes, experimenta et consectaria succincte adum- hrata. Dresdae et Dipsiae. I. Aufl. 1734, S. 39: O Silex, silex! quae te matercula gessitl (0 Feuerstein, Feuersteinl welches Mülterlein hat dich erschaffenI) Vgl. auch Joh. Sam. Schröter: Journal für die Liebhaber des Steinreichs und der Konchyliologie. Bd. II. Weimar 1775, S. 67. E. Friedel.

***) Nach einer freundlichen Mitteilung des Herrn Direktor Schwartz heisst es bei Conze, Volkstiberlieferungen aus dem Fürstentum Waldeck, S. 412:weisse Kieselsteine auf Äckern rühren von Gewittern her, und das. Anm.:Kinder, die im Frühjahr viel mit Kieselsteinen spielen, deuten damit schwere Gewitter des Sommers voraus. Rochholz, Alem. Kindersp. 319. w - v - Schulenburg.

f) Nach Frl. E. Lemke's mündlicher Aussage bedeuten im ostpreussischen Ober­lande weisse Steinchen, gerade umgekehrt, Unglück; sie bringen das Fieber hervor. Sollte die weisse Farbe, weil bei den Slaven und Litthauern Trauerfarbe, deshalb von übler Vorbedeutung sein? Friedei.

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