17. (7. ordentl.) Versammlung des VI. Vereinsjahres.
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dazu: „Jener Ring, der dem Krieger von der Hand einer unsichtbaren Person dargeboten wird, ist nämlich nichts anderes als das feiende, den Sieg verleihende Kleinod der deutschen Schlachtenjungfrauen, der alten, heidnischen Walkyren. Wir sagten oben, die Schwerin seien ein deutsches Geschlecht. Wir meinen dasselbe auch von dem berühmten Ilause Oertzen*), welches ein gleiches Schildzeichen führt. — Nim ist jenes uralte, auf die deutschen Schlachtenjungfrauen zurückzuführende Wappenbild ferner besonders berühmt bei dem niedersächsischen Geschlechte von Plesse; — die Ringe desselben heissen sogar die „Sch wanenringe“. Es ist ein charakteristischer Blick in die Vorzeit unseres Volkes, den wir liier tliun können. Den Arm der göttlichen Jungfrau und ihren schützenden, segnenden Ring erwählte sich also ein Ahne des Hauses Schwerin, weil er sich behütet und geleitet dachte von einer der Töchter Wodans, des Sieg- und Schlachtenruhm spendenden Gottes!“ —
Bei unserer heutigen Betrachtung kommt es uns lediglich auf das Kleinod der Ringe, den Ringstein, an.
ich kann wegen Kürze der Zeit nur vier der mancherlei im Besitz des Märkischen Museums befindlichen Ringsteine mit Talismanen oder Amuletten vorlegen und bemerke, dass dg]. Ringe zwar auch in dem hier in erster Linie in Betracht kommenden Gebiete der engern Heimat, ganz besonders aber in dem süddeutschen Sprachgebiet (Bayern, Tirol, Salzkammergut, Steiermark, Ober-Österreich pp.) getragen werden. In unserm Heimatsgebiet werden sie nicht selten versteckt getragen oder in der Häuslichkeit geheim verwahrt, im katholischen süddeutschen Sprachgebiet sieht man sie mit Vorliebe an den Fingern von Personen beiderlei Geschlechts getragen, hier führen die Ringe sogar nicht selten Namen, St. Antoniusringe, St. Georgsringe etc. je nach dem Heiligen und Schutzpatron, auf welchen sich, nach ihrer Ausstattung, diese schutz- bringenden Symbole beziehen.
a) Kat. B. VI, 10829 des Märkischen Museums giebt einen silbernen Bauernring, der den auf der Oberseite fleischrötlich, ungefähr an einen menschlichen Nabel erinnernden Verschlussdeckel einer Meereschnecke (Turbo) enthält. Dr. Hägers Handbuch der pharmaceutischen Praxis sagt darüber folgendes: „Turbo rugo- sus L. und andere Turboarten, zu den Gasteropoden gehörige, im Mittelmeer lebende Deckelschnecken. — Umbilici marini, Belliculi marini, Meernabel, Meerbohnen, Seebohnen, Nabelsteine, Mondaugen. — Deckel des Schneckengehäuses. Sie sind scheibenföimig, 2—3 cm im Durchmesser, 2—3 mm dick, glatt, etwas vertieft, auf dei
*) Vgl. zu Altrichters Abhandlung „Das Laasker Schwert“, „Branden* burgia“ VI, 280 fig., die Figur 31. Auf andere Familien-Erbringe wird weiterhin verwiesen. E. Friede!.