Heft 
(1897) 6
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17. (7. ordentl.) Versammlung des VI. Vereinsjahres.

Noch zweimal und immer dringlicher meldete sich nach Verlauf von Wochen der Geist. Nur einer von den drei Diamantsteinen des Ringes sei noch nicht erblindet: Erlischt auch er, so wird es hinnen kurzer Zeit erschütternd lauten:Heute noch Hohenzollern und nun nimmermher. Jetzt endlich hielt sich Herr v. B. genötigt, dem skep­tischen Markgrafen Anzeige zu machen, und eine Kommission begab sich auf dessen Befehl an Ort und Stelle. Man fand alles so, wie es vorausgesagt war, v. B. zog dem Leichnam, der alsbald zu Staub zer­fiel, den Ring ab. Die Diamanten desselben waren kunstvoll gefasst, so dass sie eine Blume bildeten. Nur einer davon blitzte noch in seltenem Feuer. Ring und Protokoll des Befundes wurden im Archiv zu Bayreuth niedergelegt.

Zuvor hatte der Markgraf die Sache dem König Friedrich Wilhelm II. nach Berlin gemeldet. Dieser, kein esprit fort, wie sein fränkischer Hausverwandter, erschrak und antwortete, dass man zwar alles unnötige Aufsehen vermeiden, dennoch aber in der Gruft von Ilimmelskron Nachforschungen ansfidlen solle. Fände sich sothaner Ring an der Hand der fürstlichen Leiche, so solle derselbe entfernt und in der Schatzkammer des markgräflichen Hauses bis auf weiteres nieder­gelegt werden.

Kurze Zeit darauf kam von Berlin die erfreuliche Kunde, dass dem königlichen Hause Hohenzollern Kindersegen bescheert sei; die fränkische Linie erlosch dagegen. Die Erzählung muss vor 1770 fallen, denn in diesem Jahre wurde dem damaligen Prinzen Friedrich Wilhelm von Preussen von seiner zweiten Gemahlin Luise von llessen-Darmstadt der nachmalige König Friedrich Wilhelm III. geboren. In die Regierungs­jahre Friedrich Wilhelm II. kann die Erzählung nicht fallen, denn damals waren vier Söhne vorhanden. Auch unter Friedrich dem Grossen ermangelte es, trotz der Kinderlosigkeit, bekanntlich nicht an Thron­erben. Ganz richtig bemerkt daher Schwebel S. 438:Die Erzählung erscheint völlig in das Helldunkel ihrer Zeit getaucht, in welcher man sich ermächtigt hielt, den religiösen Glauben zu verspotten, und trotzdem einer Mystik und Geisterseherei huldigte, deren Folgen sich später als so unheilvolle herausstellten.

C. Trog, Zollernsagen, auch sagenhafte Züge und Charakterzüge aus dem Leben der Hohenzollern (3 Bde. Düssel­dorf 1886) behandelt in populärer Weise, ohne etwas neues zu bringen, das gleiche Thema.

In dem erscheinenden Geiste haben wir (bemerkt Schwebel, S. 439) den Schutzgeist oder den Ahnherrn des Hauses Hohenzollern zu er­blicken. Echt sagenhaft aber sind die Züge, dass die Geschicke des er­lauchten Hauses Zollern an einen Ring gefesselt sind und dass die Diamanten desselben erbleichen. Der Ring ist in der deutschen Sage