Kleine Mitteilungen.
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Ein geheimes Gemach, welches jetzt hoch mit Scherben etc. gefüllt, in früherer Zeit nur vom Boden aus zugllngig war und den Bewohnern zum Versteck ihrer wertvollen Habe in Kriegszeiten diente. Das Pfarrhaus trügt als Giebelzeichen den Hahn, sonst wurde nur der Hahn als Giebelschmuck bemerkt. Sonst ist noch bemerkenswert ein messingnes schmuckloses Taufbecken, bezeichnet: 1652 „Maria Mehls hat dies Becken in dieser Kirchen verehret, ist gebohren auf Matthias abend in anno 1647. Gestorben in Dalgc“, ferner ein silberner vergoldeter gotischer Abendmahlskelch — anscheinend noch aus der Zeit vor der Reformation — welcher auf dem Fuss in gotischen Majuskeln die Inschrift „Jhesus“* *) trügt. 2 alte Kirchenbücher, bis etwa Anfang des 17. .Jahrhunderts zurückreichend, sind im Pfarramt vorhanden.
Das benachbarte Dorf Seeburg bietet nichts besonderes dar. Gross- Glienicke, ebenfalls nahe Dallgow belegen, ist ein stattliches Dorf an dem sehr schönen See gleichen Namens. Einige Häuser sind anscheinend sehr alt und von einer Bauart und räumlichen Ausdehnung, wie sonst in der Mark selten. Als Giebelschmuck wurden ausser Hasen auch Pferdeköpfe bemerkt’.
E. Friedei.
Truthahn und Perlhuhn. Aus unserm Leserkreise wird uns folgende im „B. I j. A.“ am 27. Oktober 1807 erschienene Mitteilung mit der Anfrage zugestellt, ob die mit anscheinender Sicherheit darin vorgetragenen geschichtlichen Angaben zutrefTen?
„"Was nun den augenblicklichen Stand unseres Geflügelmarktes betrifft, so sind die ersten I'uter und Puten eingetroffen und haben für viele eine erwünschte Abwechselung in das bisherige Einerlei von Hühnern, Günsen und Enten gebracht. Der Puter oder Truthahn, dessen Fleisch ein ausserordentlich zartes und gesundes ist spielte seit den ältesten Zeiten in der gastronomischen Geschichte aller Völker eine ganz bedeutende Rolle und galt, namentlich in der ausgezeichneten und abwechselungsreichen Zubereitung der französischen Küche, zwar nicht gerade für den feinsten, aber doch für den schmackhaftesten Repräsentanten des Gellügels. Schon im grauesten Altertum genoss der Truthahn eine grosse Verehrung. Sein Name Meleagris soll, wie schon Aristoteles berichtet, von dem macedonischen König Meleager stammen, der den Truthahn in Griechenland einführte. Sophokles führte in seiner Tragödie auf den Tod Meleagers deshalb einen Chor von Truthühnern an. Später zog man die Puter in römischen Meierhöfen gross, und der grausame Caligula war ein besonderer Liebhaber dieses Geflügels, das nach und nach wieder gänzlich verschwand und erst gegen Ende des XVII. Jahrhunderts, angeblich von den Jesuiten aus Amerika eingeführt, wieder in Europa auftauchte, wo es eine grosse Verbreitung fand und auch von den deutschen Feinschmeckern hoch geschätzt wurde. Es lässt sich nicht leugnen, dass der Puter bei unseren Hausfrauen etwas an Hochachtung verloren hat, wenn auch mit Unrecht, denn sorgfältig ausgewählt und zubereitet, ist er nicht nur ein sehr schmackhaftes, sondern in seiner Hauptsaison auch ein verhältnismässig billiges Geflügel. Heute bezahlt man allerdings je nach Gewicht noch 4—0 Mark für das Stück, allein wenn erst die ungarische Konkurrenz in Erscheinung tritt, dürften diese Preise wesentlich heruntergehen.
Indem wir uns Vorbehalten, in unserem nächsten Artikel auf die Zubereitung des Puters zurückzukommen, wollen wir unseren jüngeren Hausfrauen heute noch
S
*) Das h hinter J in Jesus, also Jhesus. kommt im Mittelalter häutig vor.