Die Franzosen im Havellande von 1806 bis 1808
nach zeitgenössischen Nachrichten.
Von Professor Dr. E. Bardey.
Die Quellen für die folgenden Nachrichten über die napoleonische Zeit sind hauptsächlich die Magistratsakten von Nauen und Fehrbellin, die Kirchenbücher der zwischen Brandenburg und Spandau liegenden Dörfer Päwesin und Wustermark und die bezüglichen Kriegsakten des Königlichen Geheimen Staatsarchivs zu Berlin.
Aus der Zeit vor dem eigentlichen Ausbruch des Krieges von 1806, wo das preussische Heer bereits mobil gemacht war, der König Friedrich Wilhelm III aber noch zauderte, den Krieg an Napoleon zu erklären, stammen die Nachrichten über eine Lieferungsaffaire der Stadt Nauen, die sehr bezeichnend für die Zeitverhältnisse sind und beweisen, in wie bedenklicher Weise schon von vornherein der ganze Kriegsapparat damals funktionierte.
Als nämlich der Stadt vom Landrat von Bredow auf Senske Lieferungen anbefohlen wurden, weigerte sie sich zu gehorchen und legte unter dem 16. Januar Beschwerde ein beim Kriegs- und Steuerrat von Lindenau zu Lindow. „W T eil,“ heisst es in dem Schreiben, „sich inmittelst der politische Himmel aufzuklären und der Friede nahe zu sein schien, und überhaupt weil wir uns leicht vorstellen konnten, die höchsten Landeskollegia würden ohne Anregung der Städte von selbst schon geneigt gewesen sein, die so sehr gesunkenen kleinen Städte durch solche exhaurierende Lieferungen nicht vollends zu erschöpfen, und nie irgend eine Verfügung wegen einer Lieferungsleistung von Ew. p. erging, so erachteten wir die Sache vor beigelegt.“ Das Schreiben schliesst mit der Bitte an von Lindenau „sich der Bedrängtheit anzunehmen“ und „geneigtest zu melden, ob andere Städte dero Kreises der Lieferungslast unterlegen, und wie sie solche dekretiert haben.“
Muss diese Reklamation für uns bei unsern heutigen Begriffen von Mobilmachung und Kriegführung schon Befremden erregen, so thut dies
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