Heft 
(1902) 11
Seite
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Prof. Dr. E. Bardey, Die Franzosen im Havellande von 1806 bis 1808. 227

werden könnte. Dahingegen beide Städte im Fall, dass die Regimenter eine andere Bestimmung erhielten, in Gefahr wären, ihre Fourage-Quanta nach entfernteren Orten verfahren zu müssen. Es ist mir bekannt, dass dies besonders drückend für die Städtebewohner sein würde, indem dort der Acker in unendlich viele Teile zerstückelt ist, manche Ackerbesitzer ihre Anteile für Geld bestellen lassen und kein Gespann halten, also für den Transport vielleicht mehr geben müssen, als der Wert der ge­lieferten Fourage beträgt. In der gewissen Voraussetzung, dass in Nauen geschehen sei, was der Magistrat in Brandenburg sogleich bewerk­stelligt hatte, schrieb ich, obgleich ich auf beide Schreiben keine Ant­wort erhalten hatte, für das Dragoner-Regiment v. Manstein eine für das ganze abzuliefernde Quantum der Stadt Nauen nicht unverhältnismässige Lieferung aus und glaubte der Stadt dadurch gefällig zu sein, indem ich so wenig wusste, dass dort an keine Reparation gedacht sei, als dass man sich noch schmeichele, von dem Beitrage ganz befreit zu werden. Die Gegend, wo die beiden Kavallerie-Regimenter stehen, hat grössten­teils ihren Anteil abgetragen, und einige Ortschaften selbst schon mehr gegeben. Die Wege sind böse, und das Regiment v. Manstein besonders liegt am Ende des Kreises, ein grosser Teil der Ortschaften ist mit der Lieferung nach Charlottenburg beschäftigt, andere hingegen mit den Mehlfuhren von Spandau nach Belitz, sodass ich nicht füglich anders handeln konnte und mir nur auf diese Weise zu helfen wusste. Nauen ist eine der ansehnlichsten Ackerstädte, hat Heu und Stroh in Über­fluss; es war also nicht zu erwarten, dass, wenn die Einteilung einmal gemacht war, es an etwas fehlen sollte. Ich glaube nicht nur alles, was meine Vorschriften besagen, sondern in Rücksicht auf die Stadt Nauen auch noch mehr getlian zu haben. Die Verlegenheit ist da, ich soll das Futter für die Regimenter schaffen. Die entfernteren Dorfschaften kommen zumteil nicht von der Landstrasse, während in der Nähe in Nauen gleichsam ein Magazin ist.

Wenn man bedenkt, dass diese langwierigen Verhandlungen, ob eine Stadt Kriegsliefeningen zu leisten habe oder nicht, zu einer Zeit geführt wurden, wo Napoleon bereits seine Kriegsvölker südlich des Thüringerwaldes zusammenzog, so wird man zur Erkenntnis einer der wichtigen tieferen Ursachen der kommenden unglücklichen Ereignisse geführt. Nauen stand mit seiner Sünde keineswegs vereinzelt *da. V. der Goltz führt in seinem interessanten WerkRossbach und Jena (um 1883) zahlreiche ähnliche Beispiele an. Neben der Ärmeeleitung trug das ganze preussische Volk die Schuld mit, welches damals nicht wie in unseren Tagen den Krieg durch llülfeleistungen in der Heimat in aufopfernder Weise mitzuführen sich bewogen fühlte. Es sollte eben erst durch das Unglück aufgerüttelt und zu besserer Einsicht geführt werden.

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