238 Prof. Dr, E. Bardev, Die Franzosen im Havellande von 1806 bis 1808.
dass die für den Dienst der französischen Armee erforderlichen Requisitionen dennoch erfüllt werden müssten; es sei denn daher den Requisitionen der französischen Behörden zur Fortschaffung der Transporte zu genügen. — In einem Schreiben des v. Bredow-Senske, (vom 23. November 1807) heisst es wörtlich bezüglich der preussischen Gefangenen in Nauen: „Ich habe bei meiner letzten Anwesenheit in Berlin mich für sie zu verwenden Gelegenheit gehabt und Hoffnung erhalten, dass ihnen vielleicht einige Unterstützung von Seiten des Herrn Obersten von Lützow verschafft werden wird.“ — Nach einer Bekanntmachung des v. Lindenau (Lindow, den 10. Oktober 1807) sollten in Hinsicht der französischen wie der alliierten Truppen keine Requisitionen ausser der reglements- mässigen Verpflegung respektiert werden, gemäss höchster Verordnung vom 1. Oktober dieses Jahres.
1808. ln einem Bericht an das Komitee der kurmärkischen Stände zu Berlin vom 4. Mai 1808 schreibt der Magistrat von Nauen, „dass der hiesige Ort teils zur Bezahlung von Kontributionen, teils aber zur Bestreitung der andern Kriegskosten bis jetzt folgende Schulden kontrahiert habe: In fr. d’or 585 Thlr., in Dukaten 156 Thlr., in cour. 13 320 Thlr. und in Münze 2185 Thlr., in Summa 16 247 Thlr. Geld, courant und Münze. Da wir uns wegen der bezahlten Kontribution bisher durch Anleihen geholfen haben, so ist bisher von keinem Massstabe zur Aufbringung der Kriegssteuer allhier die Rede gewesen.“ — Nauen hatte vom 24. August 1807 bis 15. Juni 1808 nach einander Teile vom 24., 32., 96., 63., 95., 16. Regiment, 2., 5., Chasseur-Regiment und 4. Husarenregiment, im ganzen ca. 3296 Offiziere, 6287 Unteroffiziere, 71869 Gemeine und Bediente und 8928 Pferde eiuquartiert (bei 382 Bürgern und auch 22 Buden etwa).
In ähnlichar Weise hatte die Stadt Fehrbellin zu leiden, wo während der Kriegszeit etwa 50 000 Mann verpflegt werden mussten, und wo die Kirche den Franzosen eine zeitlang zur Aufnahme der preussischen Gefangenen dienen musste.
Nunmehr kommen wir nochmals auf das Kirchenbuch von Päwesin als eine vorzügliche Quelle zurück, das noch zwei weitere Abschnitte von Kriegsaufzeichnungen aus der Feder des Pfarrers Spieker enthält. Handelte der erste Bericht von seinen persönlichen Erlebnissen, so giebt der zweite eine allgemeinere Schilderung:
„Wie es während des Krieges in unsern Gegenden hergegangen.“
Das Heer der Franken überschwemmte das Land wie eine Wasserflut. Bei Tangermünde, Barby, Wittenberg, Meissen und Dresden gingen sie über die Elbe. Napoleon zog in Berlin ein, der Marsch ging wie der Flug eines Adlers durch die Mark und Lausitz nach Pommern, Schlesien, Polen. Die kleinen preussischen Korps, die Festungen konnten die Feinde nicht aufhalten, und am Ende des Jahres 1806 standen sie