Kleine Mitteilungen
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weiter auszulegen, was um so eher zulässig erscheine, als damals noch das nur ein paar Meilen von Coepenick gelegene Land Lebus mit den Städten Fürstenwalde und Müncheberg zu Polen gehört habe, und nicht feststehe, wie weit sich Jakzas Reich nach Osten erstreckt habe. Jedenfalls gäben die Münzen Jakzas das Bild eines reichen und mächtigen Fürsten von ausgesprochen slavischem Nationalbewusstsein: von einem solchen sei wohl zu erwarten, dass er beim Aussterben eines Herrscherhauses in dem benachbarten und stammverwandten Ilevellervolke versucht haben werde, den Übergang des Landes in die Hände der Deutschen zu hintertreiben. —
Aus dem vorreichshauptstädtischen Berlin.
1) Nachtwächter und Viehtreiber.
1869 hat noch der Nachtwächter in der Leipziger Strasse gepfiffen.
Um diese Zeit wurde auch noch bei Tage Vieh durch die Leipziger Strasse getrieben.
Mitgeteiit vom Lehrer R. Otto, Hier.
O. Monke.
Berliner Originale.
2) Mutter Meiern vor dem Alten Museum (Mutter Tautenhahn) trug einen Strick um den Hals. (Um 1870.)
Vorübergehende Strassenjungen beschrieben zuweilen mit dem Zeigefinger einen Kreis um den eigenen Hals, um die alte Dame zu reizen. Sie warf dann mit faulen Äpfeln, die sie sich bereits vorher für solche Fälle zurecht gelegt hatte.
(Mitgeteilt von einem Herrn, dem ein derartiges Geschoss einmal gegen den Kopf geflogen ist.)
Mir war diese Sage neu; doch hörte ich um 1873, die Frau habe sich für 50 Thaler an die „Anatomie“ verkauft; man wolle sie nach ihrem Tod ausbraten. Ich habe auch selbst mit angehört, dass Strassenjungen ihr das Wort „fünfzig, fünfzig, fünfzig!“ im Vorübergehen zuriefen. Dann kam gewöhnlich der Ehemann der Dicken mit einem Besen aus der Obstbude herausgestürmt, um die Übelthäter damit zu züchtigen.
Das habe ich mitangesehen.
Die Sage, dass jemand einen Strick um den Hals trage, ist bekanntlich sehr verbreitet; ich lernte sie 1879 in Brandenburg kennen, als ich bei der 11. Kompagnie der 35 er diente. Von unserm Hauptmann, Freiherrn von Eynatten, erzählten die Soldaten, er trage eine Schnur um den Hals, weil er einmal seinen Burschen erstochen habe; in jedem Jahre komme der Scharfrichter einmal zu ihm und sehe nach, ob er auch die Schnur noch trüge; habe der Hauptmann sie nicht um, so sei er dem Scharfrichter verfallen. Der Hauptmann könne deswegen auch keinen Menschen gerade an- sehen. Bei dem König sei er in Ungnade gefallen, und sowie er sich das Geringste zu Schulden kommen lässt, würde er entlassen; darum sei er so streng und suche mehr zu leisten als andere.