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14. (6. ordentliche) Versammlung des XI. Vereinsjahres.
berger Chaussee nach Lüdendorf führt, hinaus noch 200 m weiter bis an einen zweiten rechtwinklig kreuzenden Weg, in den man nach Osten einzubiegen hat. Etwa 350 m weiter liegt der Bischofstein am Rande des den Weg an der Südseite begleitenden Fichtenwaldes.
Nördlich des Weges erstreckt sich das vorbeschriebene steinige, mit spärlichen Samenfichten bestandene Gelände.
Auch der Bischofstein liegt auf Rietzer Gutsland.
Die Abmessungen sind: Umfang 8,55 m, Länge 3,1 m, Breite 2,1 m und Höhe 1,12 m über dem Erdboden.
Der Stein trägt auf der südlichen Breitfläche links oben die Jahreszahl 1590, darunter ein schlichtes Linienkreuz, rechts oben ein Kreuz mit geschweiften Armen und auf der Oberkante rechts eine flache trichterförmige Aushöhlung (Opfernäpfchen?) Auf der nördlichen Breitseite links oben ist das Bild eines Kelches, daneben ein Johanniter-Kreuz (mit geschweiften Armen) und rechts oben ein Linienkreuz flach eingehauen.
Neben dem Bischofstein liegt ein kleinerer nur 1,8 m langer, 1,4 m breiter und 0,5 m hoher Block auf 1 m Abstand.
Das Material des Bischofsteins ist ein feldspatreicher, fleischfarbiger Granit mit wenig schwach bläulich gefärbtem Quarz und dunkclen Glimmerschüppchen.
Über die Herkunft der Zeichen behalte ich näheres vor.
Den Bischofstein habe ich, E. Friede!, 1875 am IG. August von Nicmegk aus besucht und ihn in der Zeitschrift „Der Bär“ Jahrg. III. S. 213 von 2 Seiten abgebildet und beschrieben. Auf dem Stein befinden sich ausser der Jahreszahl 1590, den beiden Kreuzen und dem Abendmahlskelch oben mehrere flache Näpfchen etwa von der Grösse eines Fünfmarkstücks eingerieben. Mehrere dieser aus heidnischer Zeit stammenden Näpfchen sind verwittert und zeigten sich bemoost, dagegen war ein Näpfchen rechts über dem Johanniterkreuz innen frisch glatt, wie auspoliert, und offenbar noch im Gebrauch. Ich sagte damals S. 212: „Wir haben hier einen heidnischen Opferstein mit seinen Weih- und Zaubernäpfchen, der durch christliche Symbole von seinen heidnischen und teuflischen Beziehungen gereinigt, von neuem geweiht, und so in unsern christlichen Volksglauben übernommen worden ist“. Dies Urteil halte ich jetzt nach 27 Jahren noch für richtig. Nach einer mir an Ort und Stelle gewordenen Mitteilung legt man kleine Münzen, ähnlich wie der Schäfer in dem Näpfchen des sogen. Seinnonen- steins im Bl innen thalsehen Wald bei Straussberg, Kreis Ober- Barnim, alltäglich einen Pfennig fand, bis er durch Ausplaudern den wohltätigen Zauber vernichtete, und ähnlich wie das bei Stubbenkammer auf Rügen belegene offene Hünengrab „der Pfennigkasten“ heisst, weil man dort Pfennige in Näpfchen fand und opferte. Herr Rittergutsbesitzer Hugo von Buchholz, auf dessen Feldmark Rietz der Bischofstein liegt, berichtete, die llusiten (Calixtincr) hätten am Bischofstein Feldgottesdienst gehalten und den husitischen Kelch (Calix) eingemeisselt. Auch von den Schweden wäre hier Feldgottesdienst abgehalten. Am 3. August 1876 teilte mir Herr von Buchholz mit: „Ein Bischof von Magdeburg, der zugleich Bischof von Mainz war, soll in dieser Gegend eine Affaire (wahrscheinlich