14. (6. ordentliche) Versammlung des XI. Vereinsjahres.
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breitung dos Kenntieres, das Auftreten kleiner, der Wärme abgeneigter Nager, wie des Lemming, sowie das llinzukominen jetzt alpiner Formen (Steinbock, Gemse, Murmeltier) geben uns Anhaltspunkte für die Länge der Zeiträume, welche auf die Zeit der Chelleen folgend von den französischen 1* orschern nach den Typen der Steinmesser als Mousterien- und Magdalenien-Perioden unterschieden werden.*) Wir sind jetzt im stände, die einzelnen Diluvialstationen in ältere und jüngere zu sondern, und wenn auch die Parallele mit den Glazial- und Interglazialperioden sich nicht durchführen lässt, so wissen wir doch, dass z. B. die Funde aus der Höhle von Spy in Belgien, von Taubach, sowie der neue [Fund] von Krapina in Kroatien in eine viel frühere (mindestens vor der letzten Vereisung gelegene) Zeit zu versetzen sind, als die von Schussenried, Thayingen, Schweizersbild, welcher dem Ende der Eiszeit zugehören, zum Teil postglazial sind und mit den südfranzösischen Funden gleichgestellt w'erden, die seit Cartets Forschungen (neuerdings besonders durch Piettes Bemühungen) die erstaunlich reichhaltigen Schätze einer primitiven Skulptur und Malerei geliefert haben.“
INunmehr versucht Ivlaatsch eine anatomische und hiermit verbunden ebenfalls eine chronologische Einteilung des Urmenschen.
Einen einheitlichen sogen. „Eiszeitinenschen“ giebt es überhaupt nicht. Die menschlichen Gerippefunde aus dem jungen Dilivium müssen von denen aus dem alten Diluvium nach den beiden eben erwähnten Richtungen hin scharf unterschieden w’erden.
Der französischen geologischen Sonderung folgend unterscheiden wir, wie bereits angedeutet, als älteste anthropoide Formation das Chelleen (St. Achenl- und Amiens-Periode), dann das Mousterien, beide mit einander in näherer folgerichtiger chronologischer und kulturgeschichtlicher Beziehung, als das dritte oberste und jüngste Glied das Magdaleen, jene beiden Schichten altdiluvial, letztere jungdiluvial.
Die Menschenreste, insbesondere Schädel aus dem Magdaleen sind in den llauptzügen mit dem Alluvialmenschen übereinstimmend. Die Menscheureste des Mousterien und Chelleen zeigen dagegen recht erhebliche Abweichungen vom Jetztmenschen und w’eisen, wie Klaatsch sich ausdrückt (S. 69) auf niedere tierische Vorfahrenstufen hin.
In diese ältere Stufe des Urmenschen gehören, wie jetzt als festgestellt angesehen werden darf, die Reste des erwähnten von Dr. Fuhlrott i. J. 1856 entdeckten berühmten Neanderthal-Menschen.
*) Vergl. meine Angaben Brandenburgia I, 179, und weiterhin in den heutigen Mitteilungen. E. Friedei.