Karl Poetters, Pie 'Wünschelrute.
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sogen. Lichtputzschere, wie wir sie ja im Haushalt vor 2ü—31) Jahren noch selber benutzten, vertreten.
Doch nicht jedermann eignet sich zum Gebrauch der Wünschelrute und nicht jedem leistet sie auf Befehl ihre Dienste. Wie es schon eine dazu [lassende Persönlichkeit sein muss, die die Rute schneidet und herstellt, so kann sie nur von einer sich dazu eignenden Person gebraucht werden, der sie dann ja auch die gewünschten Dienste leistet.
Wie ich schon oben sagte, täuscht die Rute auch oft ihren Herrn, indem sie ihn nicht das Gewünschte, sondern andere Sachen finden lässt. Oft soll es Vorkommen, dass jemand nach Wasser sucht und in der Erde verborgen gehaltene Kleinodien oder Geld findet, ein anderer sucht Gold und findet Blei u. s. w.
Auch um Land, Wege, Stege, ja sogar Menschen zu finden, kann die Rute angewendet werden. Sie soll feststellen, ob jemand tot ist, oder ob er noch lebt, ob, er krank oder gesund ist, ob seine Verhältnisse günstig oder ungünstig sind.
Viele halten auch das Brechen der Rute für vorteilhafter wie das Schneiden, da letzteres den Baum und die Rute verletzen, krankmachen soll.
Endlich giebt es auch noch Ruten, die aus Messing oder Eisendraht hergestellt sind. Der Gebrauch der Rute erfolgt in der Weise, dass man mit gekreuzten Händen die Gabeln der Rute erfasst und den Knopf oder Kopf also die Bruchstelle hoch nach oben gerichtet hält. Sobald die Rute auf das Gesuchte stösst, senkt sie sich, wendet sich in den Händen des Suchenden und stösst mit heftiger Gewalt auf jene Stelle der Erdoberfläche oder des Erdinnern, wo das Gesuchte verborgen ist. Sie soll auch die Tiefe angeben, in der das Gesuchte zu finden ist.
Dieses Suchen bezw. Stossen heisst „Schlagen“. Die Verteidiger der Rute, insbesondere diejenigen, welche die Ansicht vertreten, zwischen dem Erdinnern und den auf der Erdoberfläche befindlichen Wesen, wie Menschen, Tieren, Pflanzen, Bäumen bestehe eine wechselseitige elektrische Strömung, sind der Ansicht, Erze und andere unterirdische Dinge wie Wasser, eingegrabene und im Erdinnern verborgen gehaltene Schätze, Kleinodien, strömen eine äusserst subtile Ausdünstung aus, so dass der sympathetische Körper auf der Erdoberfläche, auch wenn er noch soweit von der Ausströmungsstelle entfernt sei, sehr wohl imstande sei, dieselbe in sich aufzunehmen. Andere wieder sind der Meinung, dass die gegenseitigen Ausdünstungen zweier Körper sich gegenseitig anziehen, also mehr eine magnetische, wie eine elektrische Strömung annehmen.
Das Alter der Wünschelrute sowie die Kenntnis von ihrem Gebrauch und ihrer Wirkungskraft lassen sich nur annähernd ermitteln, soviel aber steht fest, dass sie schon in aschgrauer Vorzeit bekannt geweseu sein muss, und dass sie und ihre Wirkungskraft häufig zu Disputen und wissenschaftlichen Erörterungen Veranlassung gegeben hat.