26 E. Lemke, Hohenzollern- und andere Fürsten in Mythenbildung.
Tempels [des Jupiter Latiaris, wo alljährlich das grosse Opferfest der Feriae Latinae gefeiert wurde, also dieses uralten Heiligtums des Latini- schen Bundes] ein Lager gegen Hannibal errichtet wurde, als er von Capua gegen Rom heranzog. Die Yolkssage hielt die Namen fest, auf die es ihr vorzugsweise ankam.“ (3. Aufl. 1. 209.)
Hieran lässt sich zwanglos der Hinweis anknüpfen, wie hartnäckig — die einschlägige Literatur bezeugt es — man die Abstammung der Hohenzollern aus dem römischen Hause Colonna angenommen hat. Um den späteren Papst Gregor VH. (1073—1087) auf alle Fälle von dem päpstlichen Stuhle fernzuhalten, verband sich Fürst Petrus von Colonna mit vielen vornehmen Herren aus Rom. „Es gelang ihnen auch wirklich, den erwählten Papst gefangen zu nehmen; allein bald entstand ein Aufruhr, in welchem Gregor befreit, die Verschworenen aber aus Rom verbannt wurden. Der Fürst Petrus und mehrere seiner Söhne machten bald darauf ihren Frieden mit dem Papste; nur ein Sohn, Ferfried von Colonna, floh nach Deutschland, Schutz und Waffenruhm bei Kaiser Heinrich IV. zu suchen. Gnädig nahm ihn der unglückliche Rheinfranke auf. So vergingen sieben Jahre, bis der entscheidende Kampf mit Rudolf von Schwaben 1080 sich entspann. — Von alten Genealogen wird nun teils behauptet, Ferfried von Colonna habe den Kaiser Heinrich an dem verräterischen Gegenkönig gerächt, teils nur erzählt, er habe sich besonders im Kampfe ausgezeichnet und sei mit Landbesitz begnadigt worden. — Albrecht Achilles sagt, sein Geschlecht habe lange Zeit zu Rom in fürstlichen Ehren gesessen. Spätere Genealogen lassen selbst den Namen „Zollern“ von dem Städtchen Zagarolla (einer Burg der Colonnas) in der römischen Campagna abgeleitet sein. Noch andere sehen in den Grafen von Zollern einen Zweig der Grafen Coalto, welcher über die Alpen gestiegen sei und im „Hohenzollern“ den Stammesnamen auf deutsches Gebiet übertragen habe. — Das eine ist nun ganz gewiss, dass diesen Überlieferungen jede zuverlässige Grundlage fehlt.“ Doch es ist noch weit mehr gefabelt worden. „Markgraf Albrecht Achilles schreibt im Jahre 1466 an seinen Bruder Friedrich den Eisenzahn, über das eigene Geschlecht: „Wir sind zu Troya in Turckischem wesen vertrieben worden bey vnnsern Hern (sammt unsern Herren) vnnd sind gen Rom komen, die dritten Fürsten, die do waren, mit Römischen Keysern vnd Königen, Aber von Rom vertriben vnd in das Reich komen.“ Von Troja also die Hohenzollern? Wie lässt sich diese seltsame Familienüberlieferung erklären? Es war ein Steckenpferd der Humanistenzeit, also der Tage des deutschen Achilles, womöglich alles, was gut und trefflich galt, auf das klassische Altertum, insonderheit auf Troja und Hellas zurückzuführen.“ Andererseits erging sich eine wilde Phantasie in den Gefilden der Nibelungen; und eine Chronik des 16. Jahrhunderts berichtete: „Guntherus habe so viele Söhne gehabt, dass Francieu sie