128 19. (9. ordentliche) Versammlung des XI. Vereinsjahres.
Später gewann dann in der Zeit, wo die absolute Fürstengewalt sich konsolidiert hatte und im römischen Reiche und Recht ihre juridische Beglaubigung suchte und fand, auch der kleine Zug des römischen Imperialismus besondere Pflege, dass die Grosstaten der Monarchen auf militärischem, politischem oder kulturellem Gebiete in der Medaillenkunst verherrlicht wurden. Und so sehen wir denn seit dem dreissig- jährigen Kriege in allen Staaten eine unendliche Reihe derartiger Medaillen entstehen, von denen uns hier nur diejenigen interessieren, welche eine auch von den römischen Kaisern besonders gepflegte und denselben von ihren Biographen stets zu besonderem Ruhme angerechnete Regierungstätigkeit, die Aufführung grosser öffentlicher Bauten, verherrlichen. Wie sehr übrigens auch in diesem kleinen Zuge die Abhängigkeit gerade von römischem Wesen hervortritt, lehrt der Umstand, dass nicht nur zwei von den hier vorgeführten Darstellungen an römische Bauten sich anlehnen (Hetzgarten und lange Brücke), sondern auch die Inschriften, lateinisch wie sie der Sitte der Zeit nach sind, sich z. T. an römische Münzlegenden anscliliessen (hilaritati publicae, utilitati publicae), ja eine sogar ausdrücklich auf das pointierte Wort eines römischen Geschichtsschreibers anspielt (ligneam invenit, lapideam relinquit).
Bevor ich zur Beschreibung der Medaillen übergehe, will ich noch mit einigen Worten der Künstler gedenken, die die Stempel dazu geschnitten haben.
Für die Medaille mit der Parochial-Kirche keimen wir den Künstler nicht. Die auf den Neubau des Schlosses und die Vorderseite zu der mit dem Stadtplan hat geschnitten Christian Wermuth in Gotha, den Friedrich I an Stelle des gleich zu erwähnenden Faltz zum Ilof- medalleur zu gewinnen suchte, doch ohne Erfolg. Die übrigen 4 Medaillen sind mit Ausnahme der Vorderseite zu No. 1 geschnitten von Raimund Faltz, einem Schweden, der in Paris seine Ausbildung empfangen hatte, und dann in schwedische Dienste getreten war; gleich nach seinem Regierungsantritt berief ihn Friedrich I an seinen Hof, wo er 15 Jahre bis zu seinem 1703 erfolgten Tode eine reiche Tätigkeit entfaltet hat.
Bei der Beschreibung und Erläuterung der ausgewählten Medaillen, deren Orginale sich im Kgl. Münzkabinett befinden und deren Rückseiten nach Gipsabdrücken auf der beigegebenen Autotypietafel abgebildet sind, habe ich folgende Werke zu Grunde gelegt:
Gütther, Leben und Taten Friedrichs I. Breslau 1750.
Spiess, Brandenburgische historische Münzbelustigungen, Ansbach, Bd. 11 1769. Bd. III 1770.
Borrmann, die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin. Berlin 1893.
Menadier, Schaumünzen des Hauses lloheuzollern. Berlin 1901.
1. Der Plan von Berlin. 1700. Vs. FRIDERICUS I. D. G. REX BORUSS. Das belorbeerte Brustbild des Königs nach rechts im Harnische