Heft 
(1903) 12
Seite
146
Einzelbild herunterladen

2. (2. ausserordentliche) Versammlung des XII. Vereinsjahres.

sondern, neben dem Festlande sich Wasser überhaupt tropfbar flüssig halten konnte, das vorher in Dampfform in der Atmosphäre geschwebt hatte. An diesem Punkt setzt dasAltertum der Erde ein, der Beginn von Bildungen auf der Erdoberfläche aus Niederschlägen und Ablage­rungen der an der Erkaltung teilnehmenden Meere. Diesem Abschnitt der Erdgeschichte gehören an: die Schichten des Cambriums mit den ältesten, aus eigenartigen Krebsen bestehenden Tierresten, des Silur, das die ersten Landpflanzen sah, des Devon mit einem reichen Tier- und Pflanzenleben, der Steinkohlenformation, die Zeugnis ablegt von einer ungeheuren Entwickelung der Pflanzenwelt unter gleichzeitigem Auf­treten vieler Fische und der ersten Amphibien, endlich der Permischen Formation, in der sich die grossen Salzlager von Stassfurt und Aschers­leben, sowie der Mansfelder Kupferschiefer bildeten und die ersten Rep­tilien erschienen. Die höheren Tiere waren ausschliesslich Zeugen des Mittelalters der Erde, das gekennzeichnet ist durch drei grosse, all­mählich in einander übergehende Perioden, die Trias-, die Jura- und die Kreideformation. Die Trias-Periode, in der sich Sandsteine, Muschelkalk und Keuper aus den das Festland weit an Umfang übertretfenden Meeren ablagerten und durch den enormen Druck der Schichten versteinerten, sah in ihren Schachtelhalm-, Sagopalmen- und Nadelholzwäldern die ersten Säugetiere, die Juraformation den ersten echten Vogel, während die Kreide unzähligen grossen Meeresreptilien, Tintenfischen und in Muschelschalen lebenden Tieren zum Grab wurde. Gleichzeitig erschienen die ersten Laubhölzer. DieNeuzeit der Erde oder die Tertiärformation sah die grosse Entwickelung der Tierwelt, besonders der Säugetiere und die Umbildung der niederen Tierwelt annähernd zu den Formen der Jetztzeit. Für Deutschland brachte diese Zeit die kolossalen Braunkohlen­ablagerungen. Ihr gehören auch die vulkanischen Bildungen in deren grosser Mehrzahl an. Dieneueste Zeit endlich umfasst, wie oben schon angedeutet, das Diluvium und das Alluvium. In die erste Periode fallen die grossen Eiszeiten, die so wesentlich umgestaltend gerade auf Norddeutschland einwirkten.

Hiernach gehören also die merkwürdigen Tierreste, die wir in der Erde finden, zum allergrössten Teil dem Mittelalter und der Neuzeit an. Nur wirbellose Tiere sind es, denen wir in den ältesten Schichten be­gegnen. Sehr gross ist auch der Anteil der Diluvialzeit an den Tier­resten, namentlich der grossen Dickhäuter, die während der interglacialen Zeiten zahlreich in Deutschland lebten. Aus den älteren Zeiten aber sind es meist Reste von im Wasser lebenden Tieren, die wir finden, was leicht verständlich ist, wenn man erwägt, dass die Kadaver solcher Tiere auf den Grund des Wassers fielen und hier durch nachsinkenden Sand und Schlamm bedeckt wurden. Alle Weichteile fielen dann der Fäulnis anheim, aber das Knochengerüst wurde vollständig erhalten.