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2. (2. ausserordentliche) Versammlung des XII. Vereinsjahres.
Skeletts herum sind, in kleinen Resten zwar, aber die Flosse einem Handschuh gleich einfassend, noch schöne Hautreste vorhanden. Die Piece de resistance der Sammlung ist zweifellos das wohlerhaltene Skelett eines Urvogels, das um den Preis von 16Ü0Ü Mark erworben wurde und das Gegenstück eines zweiten an derselben Stelle gefundenen und in einer Nachbildung auch im Museum vertretenen Exemplars ist, das s. Z. von dem Entdecker nach London abgegeben worden ist. Der Archaeopterix stellt deutlich den Uebergang von der Eidechse zum Vogel dar. Er besitzt nicht den hohen Grat auf dem Brustkorb, der so wesentlich für den Vogel beim Durchschneiden der Luft ist, und man wäre deshalb, zumal in Anbetracht seiner zum Schreiten ausgebildeten Beine, seiner noch zum Greifen eingerichteten Vorderglieder, geneigt, ihn für ein nach Analogie der Fledermaus mittelst ausgespannter Flughaut fliegendes Tier, für einen „Sonntagsflieger“ zu halten, wenn sich nicht in dem feinkörnigen Solenhofer Kalkschiefer, — bekannt als lithographischer Stein — der überaus zarte Abdruck des Federgewandes, namentlich des Schwanzes erhalten hätte, wodurch jeder Zweifel an der Qualität des Tieres als echter Vogel beseitigt wird.
Dr. Solger erläuterte sodann die zahlreichen Reste vorweltlicher Säugetiere, die charakteristisch verschiedenen zwei Arten des Urochsen, des Bos primigenius mit weit ausladendem und des Bos priscus mit kurzem Gehörn, sowie einen aus dem Lippefluss hervorgezogenen, gewaltigen Mammuths-Schädel, der riesigen, dichtbehaarten Gattung Elephant, Elephas primigenius angehörig, der auch in Rixdorf, dessen Kieslager so reich an Knochen der Diluvialtiere sind, gefunden worden ist. Aus Rixdorf stammt auch ein sehr schöner Schädel eines gleichfalls behaart gewesenen Rhinoceros (Rhinoceros antiquitatis). Sehr auffällig ist der Schädel eines Mastodon mit seinen beiden nach abwärts gekrümmten Hauern im Unterkiefer. Bei dieser Gelegenheit gab der Vortragende ein fesselndes Bild von der Wichtigkeit des Studiums der Zähne vorweltlicher Tiere, die sich von allen Teilen der Knochengeräte am besten erhalten haben, häufig gefunden werden und wertvolle Anhalte bieten, nicht bloss für die Eigenart der Tiere, ob sie Grasfresser oder Fleischfresser waren, sondern auch für die äusseren Lebensbedingungen, unter denen sie gestanden, z. B. ob sie sich mangels anderer Waffen unter dem Zwange schnellen Laufens zum Schutz gegen ihre Verfolger befanden, welcher Art die Nahrung war, die ihnen die Natur bot etc. So belehrt uns die Fauna der interglazialen Zeiten, welche lebte, als ebendie Eisdecke zurückgegangen war, über den damaligen Steppencharakter Norddeutschlands. Ein sehr seltenes Stück, aus den Ursachen, welche der Erhaltung von Resten der Landtiere und Vögel, wie oben auseinandergesetzt, so ungünstig waren, ist der Schädel eines Mesopithecus, eines Affen der Tertiärzeit. Aus denselben Gründen sind die Flug-