Heft 
(1903) 12
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2. (2. ausserordentliche) Versammlung des XII. Vereinsjahres.

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eclisen, die Flügel aber keine Federn besassen, und durch einen Ptero- dactylus im Museum vertreten sind, die Schlangen und Blindschleichen recht selten, aber um so interessanter, zumal sie viele merkwürdige Beispiele von Anpassung bieten. Aus den entgegengesetzten Gründen sehr häufig gefunden und in der Sammlung entsprechend häufig sind die Fische, unter ihnen sehr merkwürdige Tiere, deren Körper statt mit Schuppen mit einem Panzer von starken Knochenschildern be­deckt war, vermutlich, weil sie am Boden der tiefen Urmeere lebten. Die furchtbaren Fang- und Mahlzähne vor weltlicher Riesenhaie sind in vielen Exemplaren vorhanden. Eigenes Studium erfordern die in grosser Fülle in Form von Muscheln, Schnecken, Korallen, Seesternen, Seelilien u. s. f. und in vielen zarten Abdrücken in früher weichem Gestein vor­handenen Reste der Weichtiere, die als die ältesten Vertreter des Tier­lebens auf unserem heimatlichen Planeten besonders ehrwürdig sind; denn ihre Urformen gehen bis in die ältesten Schichten der Cambriuin und Silur zurück. Dem ersteren gehören die in der Flachvitrine aus­gestellten Trilobitenkrebse, dem letztem eine Kalkplatte mit sonderbaren, krummstabähnlichen Gebilden, vermutlich Gehäusen einer Molluske an. Zu den eigentümlichsten, wenn auch keineswegs seltenen und entsprechend reichlich in den Sammlungen Vorgefundenen Dingen gehören die so­genannten Belemniten, im Volksmunde auchDonnerkeile genannt, die kalkige, massive und zapfenähnliche meist spitz zulaufende Aussenver- längerung der Schulpe (des achsialen Mittelteiles) eines Tintenfisches, dessen es in den Urmeeren viel mehr Gattungen gab, als heute. Sie dienten dem Tiere wahrscheinlich dazu, sich im Wasser in aufrechter Stellung zu erhalten. Am inneren Ende besitzen diese Belemniten meist eine kleine Höhlung. An manchen Stücken ist auch noch der Tintenbeutel vorhanden, dessen Inhalt mit Wasser angerührt, heute noch eine schwarz gefärbte Flüssigkeit ergibt

Von diesen gar nicht genug zu bewundernden Schätzen im Saale der paläontologischen Sammlungen führte der unermüdliche Erklärer seine aufmerksamen Zuhörer nach einem zweiten Saal, der die geologische Sammlung, einschliesslich der Pflanzenversteinerungen und -Abdrücke enthält. Sie veranschaulicht in grossen Zügen, wie die Erdoberfläche entstanden ist bis zur historischen Zeit, ja sie zeigt weiter, welche all­mählichen Änderungen und Umbildungen die zerstörenden Kräfte des Wassers und des Windes, der Kälte und der Hitze noch heute bewirken. Ein wie wesentliches Mittel der Forschung hierfür die sich vorfindenden Pflanzen- und Tierreste bilden, wie dieLeitfossilien Auskunft geben über das Alter und die Aufeinanderfolge der Schichten, die ja in der Natur nirgends sich in ununterbrochener Folge übereinander vorfinden, davon empfängt der Beschauer hier eine deutliche Vorstellung. Die Kunst hat geholfen, diese Belehrung ebenso eindrucksvoll als dem Gedächtnis