Heft 
(1903) 12
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4. (3. ausserordentliche) Versammlung des XII. Vereinsjahres.

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Wie schaut sie ernst vom Berg ins Tal hernieder,

Ein Denkmal alter Eitterherrlichkeit,

Die alte Burg aus Lindengrün und Flieder,

Und ernst gemahnend an vergangne Zeitl Wie oft zum Kinderspiel im Frühlingswinde Hat leisen Sang's am Tor gerauscht die Linde.

Herr Diakonus Trinius feierte dann in einer launigen Rede die Damen, und Herr Görisch toastete auf Herrn Geheimrat Friedei.

Nachdem die Tafel aufgehoben worden war, pilgerte die Gesellschaft nach den Lungenheilstätten. Der Weg führte zuerst über freies Feld und dann durch Kiefernwald. Mitten in diesem Walde in einem tiefen Tal tauchten plötzlich vor uns die roten Dächer und die schmucken Häuser auf, weit überragt von den hohen Kiefern der Abhänge. Die tiefe Lage bietet den besten Schutz gegen die Nord- und Nordostwinde. Der Sandboden saugt den Regen schnell ein, sodass die Spaziergänge der Kranken nicht auf längere Zeit ausgesetzt zu werden brauchen. Im Kurpark sind die Steige derartig angelegt, dass sie einmal reiche Ab­wechselung bieten und dann den Kräften der Patienten entsprechende Steigungsverhältnisse besitzen. Die ganze Schöpfung bestellt aus drei Abteilungen. Die umfangreichste ist das Werk des Berlin-Branden- burgischen Heilstättenvereins, die zweite ist die Bleichröder-Stiftung und die dritte ist die Kinderheilstätte. Das Hauptgebäude, das zur Aufnahme von 105 Kranken bestimmt ist, ist 113 m lang und 44 in tief. Es ist aus Backsteinen mit Putzflächen und Holzarchitektur errichtet. In der Mitte erhebt sich ein schlanker Turm, der eine Uhr trägt. Hinter dem Hauptgebäude liegt das Maschinenbaus, in welchem das elektrische Licht und der Dampf für die Heizung erzeugt werden.

Die Anstalt wurde im Jahre 1900 eröffnet. Bei der Aufnahme in die Bleichröder-Stiftung erhalten die Kranken unentgeltliche Aufnahme und Verpflegung, während sie in der Hauptanstalt 3,50 Mk. bezvv. 5 Mk. bezahlen müssen. Wir wurden durch die ganze Anstalt geführt und hatten Gelegenheit, alle Einrichtungen auf das genaueste j kennen zu lernen. Es gibt hier Einzelzimmer, Zweibettenzimmer, Vierbettenzimmer, Gesellschaftszimmer, offene Hallen mit Betten, sog. Liegehallen, Wasch­anstalt, Badevorrichtungen u. s. w. Aus dem jüngsten Jahresbericht geht hervor, dass im letzten Betriebsjahr 339 Patienten behandelt worden sind. Die Behandlung ist eine doppelte, bei einigen Patienten findet nur die sog. physikalisch-diätetisch-hydriotische Anstaltsbehandlung statt, diese kann aber auf Wunsch auch mit der Tubex-kulinbehandlung ver­bunden werden. Es ergab sich für das letzte Jahr, dass bei der mit Tuberkulin kombinierten Anstaltsbehandlung 38,8 n / 0 und bei der letzteren allein 11,2 °/ 0 Heilungen waren. Es ergibt sich daraus, dass das Tuberkulin einen bedeutenden Heil wert besitzt. Es werden in der Anstalt