Heft 
(1908) 17
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Das alte und neue Potsdam.

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ebenso einschränken wie bei der Gas- und Wasserleitung, wie bei der Verteilung von Luft- und Verkehrsräurnen innerhalb eines Gebäudes.

Im allgemeinen sind die gekennzeichneten Fälle zum Teil recht gewaltsame Veränderungen am Stadtbilde; sie sind unschwer herauszu­finden, in der Regel auch unschwer zu beseitigen. Gefährlicher aber ist es, wenn sie in wohlmeinender Absicht ausgeführt werden. Auch dafür gibt es Beispiele. Da ist in eiuer Straße, inmitten alter Gebäude, ein Haus errichtet worden, dessen Erbauer zweifellos den Anspruch erhebt, im Geiste friderizianischer Kunst gebaut zu haben. Man kann dies in Anbetracht der Rücksichtnahme auf den Maßstab und der Einzelheiten

Abb. 10. Turm der Garnisonkirche. Abb. 10 a. Turm der neuen Kriegsschule.

ohne weiteres anerkennen. Sowie man aber näher prüft und bei wiederholtem Betrachten stellt sich dies von selbst ein wird man in den aufgeklebten Stuckornamenten, in den blechernen Dachluken und Giebeln und in der ganzen bauindustriellen Aufmachung bald den Pferde­fuß bemerken, der dem Belzebub-Stiltex unter dem dünnen Mantel seines Kunstaufgusses herausschaut. Gerade, weil sich in den Potsdamer Fassaden Reichtum und Einfachheit, Poesie und Nüchternheit neben ein­ander stellen, erfordert jeder Neubau weniger Studium der Formen als feinen künstlerischen Takt, der nicht aus Büchern, nur durch liebevolles Versenken in den Kunstcharakter zu erwerben ist. Das ist eben das

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