\22 3. (2. ordentliche) Versammlung des XVII. Vereiusjahres.
Mammutbackenzahns aufgefunden. Das Stück befindet sich in einer Privatsammlung. Zwischen Tzschetzschnow und Frankfurt stößt an das Odertal eine Seitenfurche: das Diluvialtal Langer Grund, au dem zahlreiche Kiesgruben liegen, die früher ebenfalls Bahnanschluß hatten. Dort ist bei den Schwedenschanzen im Jahre 1898 ein Mammutbackeuzahn gefunden worden, desgleichen ein stark abgeschliffener Wildpferdzahn. Von Rosengarten, der ersten kleinen Station der Eisenbahnstrecke Frankfurt a. 0. - Berlin erstreckt sich bis an das Odertal bei Frankfurt eine 6—7 km lange Grundmoräne. Das Gesamtgefälle beträgt trotz der gelängen Entfernung etwa 40 Meter gegenüber dem Plateaurand bei Frankfurt, also nur 9 Meter weniger als das Gesamtgefälle der Oder in ihrem märkischen Teile. Während das „Interglazial“ am Nordrande der Rosengarten-Frankfurter Grundmoräne mit mehreren aus der Mendescheu Ziegelei stammenden Funden von Wildpferdüberresten u. a. schon seit mehreren Jahren bekannt ist, wurde das Interglazial am Südraude in der Gelben Presse erst neuerdings in meiner Gegenwart bei Gelegenheit eines geologischen Schülerausfluges nachgewiesen. In dem geschichteten Diluvium fanden wir dort außer einer Reihe von Wildpferdzähnen auch mehr oder weniger gut erhaltene Überreste von WeichtierschaleD, deren Bestimmung noch aussteht. Während an den bezeichneten Stellen Mammutüberreste bis jetzt nicht aufgefunden worden sind, ergaben die Erdarbeiten am Nordrande der Rosengarten-Frankfurter Grundmoräne weiter östlich vom Interglazial der Mendeschen Ziegelei im Gebiet der Kaiserstraße bei Frankfurt im September 1905 wenigstens eine Platte von einem Mammutbackenzahn, die sich in meiner Sammlung befindet.
Neuerdings sind mir vom westlichen Odergehänge äußerst interessante Funde übergeben worden. Ich verdanke dieselben der Liebenswürdigkeit von Herrn Fabrikbesitzer Voigt, für dessen Kalksandsteinfabrikation am Odergehänge in der Cüstrinerstraße gewaltige Sand- und Kiesmengen abgetragen worden sind. Daneben findet sich ein gleichartiger Aufschluß der hiesigen Gasanstalt, dem für den Neubau der Gasanstalt am Oderufer zur Aufschüttung des Geländes gewaltige Sandmassen entnommen worden sind. Schon früher wurden in dem Aufschluß der Kalksandsteinfabrik tief in den Sandschichten kleine Knochenreste gefunden. Jetzt fanden sich aber etwa 10 Meter unter der Erdoberfläche Knochenüberreste eines riesigen Eiszeittieres. Der obere Gelenkkopf des gewaltigen Schienenbeins läßt sich deutlich erkennen. Außerdem liegen neben vielen Knochensplittern*) noch größere Bruchstücke eines starkwandigen großen Röhrenknochens vor.
In dem Vorstehenden habe ich den Versuch gemacht, eine größere Anzahl von einzelnen Beobachtungen in großen Zügen zu einem Gesamt-
*) Einer derselben stammt von dem benachbarten Aufschluß der Gasanstalt.