Heft 
(1908) 17
Seite
341
Einzelbild herunterladen

Beiträge zum Berliner Schulwesen.

341

und 69 Mädchen = 149 Kinder, darunter sind 43 (22 Knaben und 21 Mädchen) Bürgerkinder.

Zum Nachfolger Wippeis wurde der Lehrer Wolfhard, der bis dahin die dreiklassige Schule des Regiments No. 46 von Pfuhl mit Umsicht und Geschick geleitet hatte, ernannt. Daß er vom besten Willen beseelt war, bezeugt seine praktische Tätigkeit, die seinem Grundsatz:Nichts werde gelehrt, was für die Jugend zu hoch sei und was in der Folge schädlich werden dürfte, sondern nur das, was dem Menschen nützlich wird, wenn er auch nur Dienstbote oder gemeiner Soldat wird, entsprach. Leider war seine Gesundheit schon erschüttert und seine Kraft erschöpft, als er sein Amt antrat. Krankheit und Schwermut raubten ihm die Arbeitsfreudigkeit und beschleunigten seinen Tod.

Sein Nachfolger war der Rektor Schall, der von 17951802 die Garnisonschule leitete. Die Garnisonschulkommission verpflichtete ihn, ihr monatlich schriftlich einen Lehrbericht zu erstatten. Auch sein Verhältnis, obwohl er Theologe war, zu dem Prediger Krause war kein freundliches. Jedenfalls war auch seine Amtsführung nicht einwandfrei. Die Garnisonschulkommission forderte ihn am 10. November 1798 auf, seine Schulberichte nicht allgemein, sondern spezieller abzufassen und gab ihm am 5. Dezember d. J. eine Zurechtweisung über sein Verhalten dem Prediger Krause gegenüber. In der Sitzung der Garnisonsclml- kommission vom 15. Februar 1800 wurde von den Geistlichen Klage darüber geführt, daß die Lehrer die Stunden versäumten und die Kinder sich selbst überließen. Sie erließ ein Rundschreiben an die Lehrer, in welchem die Mißstände gerügt und mit einer Anzeige bei dem Gouver­neur gedroht wurde.

Infolge der A. K. 0. vom 31. August 1799Au sämtliche Regimenter und Bataillons den Unterricht in den Garnisonschulen betreffend wurde der Lehx-plan der Garnisonschule einer Revision unterzogen und nach den in der Kabinettsorder gezeicheten Grundlinien umgearbeitet. Gleich­zeitig erfolgte eine Änderung in der Organisation der Garnisonschule; statt der fünf wurden sechs, drei Knaben- und drei Mädchenklassen gebildet. Die Prüfungen wurden nicht mehr wie zu den Zeiten Wippeis mit großem Gepränge abgehalten, sondern blieben nur auf die Sache beschränkt. In dem Prüfungsprogramm vom 28. September 1800 heißt es:

III. Knabenklasse: 1. Der Kantor läßt die zu versetzenden Schüler lesen. 2. Der Kollaborator läßt eben diese Kinder Zahlen aussprechen und schreiben. 3. Der Rektor geht die Begriffe Unglaube und Aber­glaube mit den Kindern durch.

III. Mädchenklasse: 1. Der Kollaborator läßt die zu versetzenden Kinder syllabieren und lesen.