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Friedrich Wienecke.
II. Knabenklasse: 1. Der Kantor läßt die Kinder aus dem Kinderfreund') Stck. 52 lesen. 2. Der Kollaborator prüft dieselben in den Spezies der Rechenkunst. 3. Der Rektor katechisiert über das 10. Gebot.
II. Mädchenklasse: 1. Der Kantor läßt lesen. 2. Der Kollaborator prüft im Rechnen.
I. Knaben und I. Mädchenklasse: 1. Der Rektor prüft die Kinder in der Orthographie. 2. Ebenderselbe katechisiert über die Lehre von dem Gewissen.
Dem in der Kabinettsorder geäußerten Wunsch des Königs, daß mit den Garnison- und Regimentsschulen Industrieschulen organisch verbunden werden möchten, konnte die Garnisonschulkommission nicht nachkommen. Schon am 16. Februar 1797 hatte das Oberkriegskollegium eine dahingehende Anfrage an das Gouvernement gerichtet. Unter Hinweis auf die beschränkten Rauinverhältnisse hatte die Garnisonschulkommission die Einrichtung einer gesonderten Industrieschule abgelehnt. Nach dem Erlaß obiger Kabinettsorder wurde der Plan vom neuen beraten und seine Bearbeitung dem Prediger Scheffer übertragen, der im Oktober 1799 den Entwurf einreichte. Nach ihm sollten, um Raum zu gewännen, die Bürgerkinder aus der Schule gewiesen und die Soldatenkinder auf 2 Knahen- und 2 Mädchenklassen verteilt werden, und zwar sollten sie wechselnd am Vormittag und Nachmittag Unterricht empfangen. Der Plan wurde auch am 16. Oktober von der Kommission angenommen; jedoch konnte man sich über die Frage: Ob Industrieunterricht im eigentlichen Sinne einzuführen sei, oder ob man sich mit einem Handarbeitsunterricht begnügen wolle, nicht einigen. Auch die Tatsachen, daß bei Entlassung der Bürgerkinder ein Ausfall an Schulgeld entstehen würde, und daß an das Kirchenvermögen inbezug auf Anschaffung der Materialien keine Forderungen gestellt werden dürften, gab man dem Gouvernement zu bedenken. Eine Entscheidung erfolgte nicht, und die Schule blieb ohne Industrie- bezw. Handarbeitsunterricht. 1802 trat ein Wechsel im Rektorat ein. Der Rektor Karl Hahn übernahm die Leitung der Schule. Er war ein eifriger Pestalozzianer und scheint dem von ihm nach Pestalozzis Grundsätzen geleiteten Privaterziehungsinstitut 2 ) mehr Interesse zugewandt haben als der ihm anvertrauten Garnisonschule. Ihm folgte 1804 im Amte der Rektor Heinecke. —
Über die Schicksale der Garnisonschule in den Unglücksjahren 1806/07 liegen keine Berichte vor. Die Garnisonkirchen- und Schul- kommission löste sich 1806 auf; nur der Kadettenpfarrer und der Garnisonauditeur blieben zurück und beförderten wie es heißt, „das Beste in Kirche und Schule.“ Die Stadt Berlin bildete ein Kirchen- und Schulbureau, daß die Regimentsschulen mitveiwvaltete und den Lehrern
') Gemeint ist der Kinderfreund des Domherrn Eberhard von Rochow auf Reckahn bei Brandenburg. 1, Teil Brandenburg 1776. 2. Teil Brandenburg 1779.
2 ) Es war dies das erste in Berlin und hat bis zum Jahre 1806 bestanden.