Heft 
(1908) 17
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Friedrich Wienecke.

Bürgerschulen lernen können. Die übermäßige Anstrengung hat öfters die traurigsten Folgen für die Lehrer.

2. Der größte Theil der Eltern schickt ihre Kinder nur ungern dorthin.

3. Die Garnisonschule ist in ihrer jetzigen Einrichtung eine ge­wöhnliche Elementarschule, die der Garnison nicht zum Vortheil gereicht.

4. Der Unterricht eines jeden Kindes in derselben kostet ungefähr dreimal soviel, als für andere Militärkinder Schulgeld gezahlt wird.

5. Aus den Summen, welche das Kriegsministerium und die General-Kriegskasse ersparen im Betrage von ungefähr 1000 Thl., würde den älteren und fähigeren Kindern ein erhöhtes Schulgeld gezahlt werden können, um sie in die für sie passenden Schulen unterzubringen, was der ganzen Garnison zum großen Nutzen gereichen würde.

Der Kriegsminister hielt am 24. April 1841 dem Könige einen Immediatvortrag; aber der Wunsch, die Schule aufzulösen, ging nicht in Erfüllung. Friedrich Wilhelm IV. teilte die Anschauung seines Vaters, die Schule als landesherrliche Stiftung zu erhalten und verlangte Aus­kunft darüber, ob nicht etwa und mit welchen ungefähren Mitteln die Verbesserung zu bewerkstelligen sei. Der Landesbaumeister Drewitz erklärte, daß ein Um- und Ausbau nutzlos wäre und daß ein Neubau stattfinden müsse. Dieser sollte auf dem alten Garnisonbauhof, der aber schon 1766 und 69 an die Ministerial-Baukommission abgetreten war, aufgeführt werden. Das Finanzministerium aber lehnte die Rückgabe ab. Der Landbaumeister entwarf zwei Pläne, die der Kriegsminister in einem Immediatbericht vom 9. November 1842 unterbreitete. Es sollte entweder die Garnisonschule in ihrer jetzigen Gestalt bestehen bleiben und für sie ein Haus für 13 000 TI. erbaut, oder zu einer Schule für sämtliche Militärkinder Berlins erweitert werden. Die Ausführung dieses Projekts hätte einen Aufwand von 1819 000 TI. erfordert. Der König lehnte beide Pläne am 24. November wegen der hohen Kosten ab und überließ dem Kriegsminister die Regelung der Verhältnisse. Es erfolgte nichts und Zustände blieben, wie sie waren. Am 22. April 1844 erneuerte Müffling sein Gesuch, und dies hatte zur Folge, daß der König durch A. K. O. vom 2. Mai 1844 bestimmte,daß die Schule nach und nach, so wie die anderweitige Unterbringung der Lehrer erfolgen kann, aufgelöst werden solle. Dieser Zeitpunkt trat fünf

Jahre später ein. Am 1. April 1849 erfolgte die Auflösung der Garnisonschule durch folgende A. K. O.

Auf Ihren gemeinschaftlichen Bericht vom 23. März 1849 will Ich gleichzeitig aber die nunmehrige vollständige Auflösung der Gar­nisonschule in Berlin und die Entlassung des bei derselben noch ver­bleibenden einzigen Lehrers, des Kantors Breter, sowie die Fort-