Beiträge zum Berliner Schulwesen.
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schützte seine persönliche Beziehung zu irgend einer hochgestellten Persönlichkeit, den andern seine hilfsbedürftige Lage, den dritten der Umstand, daß schon sein Vater die Schule gehalten hatte usvv. Machtlos waren die Behörden, wenn der Winkelschulhalter dem Soldatenstande angehörte. Der Kompagniechef beurlaubte den Soldaten als „Freiwächter“ und der Feldprediger ließ sich gern bereit finden, in dem „Examen“ nicht zu hohe Anforderungen zu stellen.
Es war ein Segen für die armen Soldatenkinder, daß der König hier helfend eintrat und die Regimenter eigene Schulen schufen, in denen sie nicht nur frei unterrichtet und auch zum Teil mit freien Lernmitteln ausgestattet wurden, sondern in denen militärische Zucht, Sitte und Gehorsam herrschten. Die Organisation der Regimentsschulen war einfach. Der Regimentschef, bezw. Kommandeur war ihr Patron, der Feldprediger, der auch den Religionsunterricht zu erteilen hatte, ihr Inpektor und der Regimentsküster der Lehrer. Unterrichtsgegenstände waren Katechismus, Lesen, Schreiben und Rechnen. Ferien gab es nicht; nur die Tage der Revue waren schulfrei. Als Untemchtslokal diente die Wohnung des Küsters, der für Miete und Heizung eine Entschädigung erhielt. Unterhalten wurde die Schule aus dein sogenannten Traugelderfonds des Regiments, zu dem jeder Soldat, der sich verheiratete, einen bestimmten Betrag 3—5 TI. zu entrichten hatte. Der Küster erhielt 4 — 5 TI. monatlich und durfte von den Soldatenkindern, deren Eltern guten Verdienst hatten, ein geringes Schulgeld fordern. Ungünstig auf die Entwicklung der Schulen wirkte die Tatsache, daß den Küstern, um ihre Einkünfte zu erhöhen, gestattet wurde, Bürgerkinder gegen Schulgeld aufzunehmen. Die Soldatenkinder wurden im Unterricht weniger beachtet und ihre Versäumnisse stillschweigend gut geheißen.
Nach dem Wortlaut der Order sollten auch die Soldaten durch die Feldprediger religiöse Unterweisungen erhalten. Dieser Befehl wurde von den Berliner Regimentern strikte befolgt; die Feldprediger hielten mit ihnen nicht nur die Erbauungsstunden ab, sondern unterwiesen sie noch im Lesen und Schreiben. Der König ließ im Friedrichs Waisenhause Soldaten unterrichten 1 ), um sie zur Übernahme von sogenannten „kleinen Bedienungen“, d. s. Ämter bei der Akzise, geschickt zu machen.
') Der Feldprediger Johann Christian Michaelis vom Reg. No. 25 bemerkt 1729 in seinen Aufzeichnungen, daß er die grobe Unwissenheit, in der die ihm Anvertrauten befangen waren, als die Quelle aller ihrer Unordnungen und als traurige Ursache der Fruchtlosigkeit seines Predigens und seiner übrigen Amtsverrichtungen hei ihnen erkannt habe. Da die meisten Soldaten nicht lesen konnten, so sei auf sein Betreiben beim Regiment eine besondere Schule errichtet worden, um denen, die es noch nicht verstanden, das Lesen und Schreiben beizubringen, wobei sie auch wöchentlich einige Stunden von ihm im Katechismus unterrichtet worden seien. Vergl. Erich Schild, der preußische Feldprediger. Eisleben 1888. S. 8 ff.