Heft 
(1908) 17
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Friedrich Wienecke.

Infolge der beiden schlesischen Kriege gingen die Berliner Regimentsschulen ein. Der Feldprediger und Küster zogen mit ins Feld, und die Kinder mußten, so gut es ging, den Parochial- und Armenschulen überwiesen werden. Die Regimentschefs trafen mit den Schulhaltern ein Abkommen und zahlten für den Unterricht ein monat­liches Pauschquantum. So besuchten die Soldatenkinder des Regiments 25 von Kalkstein die Schulen der Jerusalemskirche, die des Regiments 19 Markgraf Albrecht Friedrich die der Dreifaltigkeitskirche (Heckersche Schulen), die des Regiments 13 Graf von Truchseß die der Georgen­kirche usw. Nach dem Frieden wurden auch die Schulen wiederher­gestellt; nur das Regiment 19 ließ seine Kinder in den Heckerschen Schulen weiter unterrichten und zahlte dafür monatlich 4 TI.

Spezielle Berichte über die Regimentsschulverhältnisse in Berlin liegen für die folgende Zeit nicht vor. Wichtig für sie war die Kabinettsorder vom 5. Dezember 1747, die den Feldpredigern befahl, ihrem jährlichen Bericht an den Feldpropst Nachrichten über die Schule beizufügen, und das Militär-Konsistorial-Reglement vom 15. Juli 1750,*) das von ihnen forderte, die Regimentsschule wenigstens wöchentlich einmal zu besuchen, um zu sehen, wie die Kinder unterrichtet werden, sodann jährlich über ihren Stand zu berichten und bei ihrem Abgänge dem Nachfolger Nachricht von der Schule zu geben.

Traurige Schulverhältnisse zeitigte der siebenjährige Krieg. Die Regimentsschulen gingen wieder ein, und die Kinder mußten wieder den Parochial-, bezw. Armenschulen überwiesen werden. Aber es fanden sich Wohltäter, die nach ihrem Stande und Vermögen die Not linderten. Der Feldmarschall von Kalkstein bezahlte aus eignen Mitteln das Schul­geld für die Kinder seines Regiments in den Parochialschulen der Jerusalemkirche, das Gleiche tat der Gouverneur, der Feldmarschall von Lehwald, und auch aus Beamten und Bürgerkreisen kamen Mittel zur Unterstützung. 5 ) Der Oberkonsistorialrat Hecker nahm 200 Soldaten­kinder unentgeltlich auf, und andere Geistliche folgten, den Raumver-

Der Ordensrat König berichtet hierüber:

Es ward bei den Regimentern sehr darauf gesehen, daß die Kantonisten, welche noch roh und verwildert waren, im Christenthum, Lesen und Schreiben unterwiesen werden mußten, und ließ der Monarch zu diesem Zwecke viele solcher Menschen nach Berlin schicken, wo sie dergleichen Unterricht in den hiesigen öffentlichen Schul­anstalten, besonders im Großen Friedrich-Hospital mit den Waisenknaben gemein­schaftlich empfingen. Freilich war es ein komischer Anblick, erwachsene, bärtige Kerle unter den jungen Knaben sitzen zu sehen, um zu lernen; allein die gute Ab­sicht milderte das Lächerliche des ersten Eindrucks.

Vergl. König, Versuch einer historischen Schilderung der Residenzstadt Berlin etc. Berlin 1786. Bd. 4 S . S. 136.

') Corp. const. March , cont 4, S. 237.

2 ) Siehe Urkunde 3.