Heft 
(1908) 17
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Beiträge zum Berliner Schulwesen.

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hältnissen ihrer Schulen entsprechend, seinem Beispiele nach. Aber verhängnisvoller als die Schulnot wurde die soziale Not, die in den meisten Soldatenfamilien herrschte. Die Garnisonarmenkasse, aus der man Witwen und Waisen einst unterstützte, hatte Friedrich Wilhelm I. im Jahre 1715 aufgehoben und die Bedürftigen der Stadt zur Versorgung überwiesen. Besonders groß war das Elend im Herbst und Winter 1757. Der König ließ durch den Stadtkommandanten Grafen von Haacke 100 000 TI. unter die Soldatenfamilien verteilen und Brot aus den Magazinen verabreichen. Gewiß wurde manche Not dadurch und auch durch private Wohltätigkeit gelindert; aber sie steigerte sich in den letzten Kriegsjahren. Der Hunger drängte zur Bettelei, verführte zum Diebstahl, und da die Autorität der Offiziere fehlte, so rissen Zucht­losigkeit und Verwilderung ein.

Der Friede führte bessere Zustände herbei. Der große König wandte seine Aufmerksamkeit der Jugendbildung zu. Während der Winterquartiere in Sachsen hatte er Dorf- und Stadtschulen 1 ) besichtigt und bemerkt, daß die Jugendbildung hier weiter vorgeschritten sei als in seinen Staaten. Inbesondere interessierten ihn die Industrie- oder Erwerbschulen, in denen die Kinder abwechselnd unterrichtet und mit Handarbeit beschäftigt wurden. Am 12. August 1763 erließ der Monarch

*) Der Konsistorialrat D. Küster in Magdeburg, der als Stabsfeldprediger den ganzen Krieg im Gefolge des Großen Königs mitmachte, berichtet darüber in der Vorrede zu seinem Soldatenkatechismus 1. TI., Stendal 1797:

Das Adlerauge Friedrichs des Großen half vielen Bedürfnissen der Soldaten­schulen ab. Ich bin selbst vergnügter Zeuge gewesen, wie er auch deshalb gern im siebenjährigen Kriege sein Quartier bei protestantischen und katholischen Predigern und Schulmeistern nahm, um von ihnen zu hören, wie sie die Jugend und Erwachs nen in der Religion unterrichteten. Fand er einen vernünftigen Menschen, so bemerkte er schriftlich das Vorteilhafte der Schuleinrichtung. Bald nach geschlossenem Frieden war es seine erste Staatsarbeit, seine gesammelten Schulbemerkungen in Ordnung zu bringen. Er befahl seinem vortrefflichen Minister von Dankeimann, ein allgemeines verbessertes Schulreglement nach den von ihm gegebenen Ideen zu entwerfen. Es ward dieses von dem würdigen Konsistorialrat Hecker mit Beihilfe des nachmaligen Abtes Ilähn entworfen. Und ob der König zwar mit den Lehrbüchern nicht ganz zufrieden war, so wollte er doch nach seiner in diesem Fache bekannten großen Be­hutsamkeit nichts verwerfen und befriedigte sich damit, daß er den Anfang zur Ver­besserung gemacht habe. Weil ihn die sächsischen Schulmeister hervorstechend ge­fallen hatten, so ließ er einige solche Musterlehrer berufen. Allgemein aber empfahl er, daß man die Kinder nicht mit der sogenannten Schultheologie belästige, sondern nur das recht deutlich lehren solle, was der größte Menschenlehrer, Christus, als wahr und wichtig vorgestellt habe. Denn die Bürger- und Soldatenkinder sollten nicht ge­lehrte, sondern vernünftige Christen werden, welche dem höchsten Wesen und ihrem Landesherrn gehorchen, einen guten Wandel führen, welcher Gott und Menschen wohlgefiele. Dazu aber war nur ein einfacher und auf den Charakter der Menschen wirksamer Unterricht erfordert. Hierin hatte der weise Monarch recht. Er war des­halb weder mit denalt- noch neusüchtigen Theologen zufrieden. Er sagte oft: ,,Sie simplifizieren die Religion nicht 1