Heft 
(1908) 17
Seite
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Beiträge zum Berliner Schulwesen.

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Ende vom Regimente alle Monath 4 Thl. Gehalt bewilligt, wozu er noch aus der Schulkasse 1 Thl. 12 gGr. an Schulgeld und Miethe bekommt. Diese Kasse hatt ihre Einnahmen von den Geldern, welche Feldwebel, Unteroffiziere und Gemeine für ihre Taufscheine bezahlen müssen. Ein jeder von diesen muß, und zwar nur die dienstthuenden mit Ausnahme der beurlaubten, drei Thaler zur Kasse bezahlen. Ist aber einer von denen dienstthuenden, der schon einmal, weil er eine Frau verloren, der die Gelder zur Kasse bezahlt hat, oder auch wohl, wenn er noch nicht verheiratet gewesen, aus besonderer Gnade von dem Herrn Chef oder Comrnandeur die Kassen-Jura erlassen bekömmt, so muß mit einem eigenhändigenGratis es vom Herrn Chef oder Comrnandeur auf dem Taufschein angezeiget seyn. Die Ausgabe der Kasse betreffend, erhält der Küster monathlich daraus: 1. Für Schulmiethe 1 Thl., für Schulgeld 12 gGr., wie gemeldet. 2. Wird daraus der Communionwein in der Kirche und bey Kranken, ingleichen die Oblaten für beyde bezahlt. 3. Erhält der Küster allezeit aus derselben gegen den Winter zum Holz 8 Thl. Mehrere Kosten: als Ankauf der Bücher für die Schul­kinder, können nicht aus dieser Kasse bestritten werden, indem alle Monath oder auch wohl öfters mehrere hingehen, dass Kassengelder ein- kommen. Übrigens ist auch noch jedem Soldaten freygelassen worden, sein Kind in andere Schulen zu schicken, vorzüglich denen, die zuweit von der Wohnung des Küsters im Quartier liegen.

Einen Fortschritt weist der Plan nicht auf. Die inneren und äußeren Verhältnisse der Schule hatten sich nicht verändert. Das war auch bei den übrigen Schulen der Fall. Auch hinsichtlich der Methode war keine Verbesserung eingetreten. DieHallesche Methode, d. i. das Einprägen von Katechismustext, Spruch, Gebet und Lied, war die herrschende, und die Mahnung des großen Königs:Man solle die Kinder nicht mit der sogenannten Schultheologie belästigen, sondern nur das lehren, was der größte Menschenlehrer, Christus, als wichtig und wahr vorgestellt habe, fand auch in den Berliner Regimentsschulen wenig Beachtung.

Einen gewaltigen Aufschwung nahmen die Berliner Regiments­schulen in den beiden letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts. Das allgemeine Interesse, das man in dieser Zeit den Fragen der Erziehung und des Unterrichts zuwandte, machte sich auch in militärischen Kreisen bemerkbar. In der vielgelesenen Zeitschrift des späteren Oberkonsistorial- rats ZöllnerLesebuch für alle Stände nahmen die Offiziere von Kamptz und von Bölzig zu der angeregten Lesebuchfrage für Garnison- und Regimentsschulen Stellung. Mit warmen Worten trat der Haupt­mann von Winterfeld in seinem AufsatzeEinige Vorschläge zur Ver­hütung der Desertion bei den Soldaten für bessere Ausbildung der Offiziere und Soldaten ein. Er empfiehlt den ersteren eine bessere und individuelle Behandlung der Untergebenen.