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Friedrich Wienecke.
„Was hier helfen kann,“ sagt er, „ist: Bessere Erziehung der
künftigen Befehlshaber und Beibringung richtiger Grundsätze für ihr
Herz und ihren Verstand.“
Zur besseren Bildung der Soldaten wünscht er, daß ihnen gute Bücher patriotischen und gemeinnützigen Inhalts zum Lesen und zur Unterhaltung auf den Wachtstuben geliefert würden.
Entfacht wurde dies Streben nach erhöhter und besserer Bildung durch die Ideen Rousseaus, der Philanthropen und durch die praktischen Erfolge Rochows. Der Geist der Rochowschen Pädagogik zog in die Berliner Regimentsschulen ein, und ihm verdankten sie ihre zeitgemäße Ausgestaltung und Blüte. Die erste Schule, die in diesem Geiste reorganisiert wurde, war die des Regiments 46. 1778 war der bildungsfreundliche Generalmajor von Pfuhl Chef des Regiments geworden und sein unablässiges Bemühen ging dahin, die Schule zu einer Musteranstalt zu erheben. Zum Feldprediger wählte er den Kandidaten Mörschel, der seit einer Reihe von Jahren an den verschiedensten Schulanstalten Berlins mit Erfolg unterrichtet hatte. Seine Worte, die er an den neuen Feldprediger richtete, zeugen nicht nur von seinem frommen Charakter, sondern auch von seiner wahrhaft väterlichen Gesinnung für die Soldaten und ihre Kinder. „Seien Sie,“ so sprach der General, „meinen Soldaten Prediger; sorgen Sie aber auch dafür, daß die Soldatenkinder gut unterrichtet werden. Von der Sorge für diese haben Sie ebensowohl als von der Sorge für jene vor Gott Rechenschaft abzulegen!“ Was der Regimentschef forderte, hat der Feldprediger treulich gehalten. Die Kasernenschule wurde zweiklassig und der Unterricht durch Aufnahme von Moral, Geschichte, Geographie, Gesundheitslehre, Naturkunde und deutsche Sprache erweitert. Den Unterricht in der Moral und Geschichte erteilte Mörschel selbst. Für den Religionsunterricht waren keine besonderen Stunden angesetzt, sondern er wurde mit allen Unterrichtsfächern verbunden. Der spezielle Konfessionsunterricht blieb dem Konfirmandenunterricht überlassen. Ganz besonders betonte man den Unterricht im Deutschen. Die Kinder wurden nicht nur zum lautreinen, sinngemäßen und schönen Lesen angeführt, sondern sie empfingen Unterweisung in der Grammatik und in der Orthographie und mußten Aufsätze, Briefe, Rechnungen, Befehle etc., wie sie das praktische Leben forderte, fertigen. In der Geschichte und Geographie machte man die Schüler mit den Großtaten der brandenburg-preußischen Geschichte, mit der Entwicklung des Staates bekannt und suchte in ihnen vor allem Begeisterung für das Vaterland, Liebe zum Könige und Ehrfurcht vor der Obrigkeit zu erzeugen. Zur Belebung des geschichtlichen Stoffes dienten Anekdoten und Gedichte (Gleims Kriegsliedei’). Die Geographie suchte man durch Einfügen patriotischer Tatsachen zn befestigen. Der Unterricht in der Naturgeschichte umfaßte systematische Kenntnis der