Heft 
(1908) 17
Seite
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Beiträge zum Berliner Schulwesen.

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drei Naturreiche. Die Gesundheitslehre wurde nach dem bekannten BuchFaust, Gesundheitslehre, erteilt und die Ergebnisse als Regeln ein­geprägt. Der Gesangunterricht beschränkte sich auf das Einprägen von Chorälen und patriotischen Liedern; Übungen irgend welcher Art waren unbekannt. Die Mädchen erhielten von einer Unteroffiziersfrau Anleitung in den Handarbeiten. Dem philanthropischen Geiste des Unter­richts entsprach auch die Handhabung der Zucht. Körperliche Züch­tigungen sollten soviel als möglich ausgeschlossen sein. Die Haupt­mittel der Erziehung waren die Gewöhnung zur Tugend und zur Re­ligion, die Erweckung der Ehrliebe und das Verabscheuen der persön­lichen Schande 1 ). Für Schüler und Lehrer wurde eine Bibliothek ge­gründet. In der letzteren fanden sich nach einem vom Regiments­schullehrer Lammert am 8. Februar 1783 angefertigten Verzeichnis Werke von Rochow, Ileynatz, Feddersen, Baumann, Büsching etc.; ja der Erziehungsroman des großen Volkspädagogen Pestalozzi: Lienhard und Gertrud (1781 in Berlin bei dem Hofbuchdrucker Decker erschienen) fehlte in der praktisch angelegten Bücher­sammlung nicht. 2 )

') SieheÜber den Geist einer preussischen Militärschule von Mörschel, Berlin 1788.

2 ) Friedrich Nicolai berichtet in seinerBeschreibung der Königlichen Residenz­städte Berlin und Potsdam, Berlin 1786, S. 66972 über die Regimentsschulen fol­gendes :

Bei jedem Regiment ist außerdem eine Schule, worin theils der Küster, theils ein besonderer Lehrer die Kinder der Soldaten frei im Christenthum, Lesen und Schreiben usw. unterrichtet. Die Schule des Regiments Gensdarmes ist besonders gut eingerichtet. Das Infanterieregiment von Pfuhl hat zwei Schulen, von welchen die in der Kaserne befindliche seit 1785 besondere Aufmerksamkeit verdient. Die Kompagniechefs des Regiments haben dem Lehrer eine jährliche Besoldung von 120 Thl. ausgemacht. Alle Kinder besuchen seit der Zeit unentgeltlich die Schule und sind verbunden, aus­genommen die zur katholischen und reformierten Religionspartei gehörigen, die Schule täglich ein paar Stunden zu besuchen, eine Vorsicht, die bei der großen Sorglosigkeit vieler Eltern sehr nöthig ist. Dies wird dadurch erhalten, daß der Schullehrer die Kinder, welche ohne gegründete Ursache die Schule versäumen, dem Offiziere, der die Aufsicht in der Kaserne hat, schriftlich anzeigt, und daß dieser alsdann sogleich die Eltern der Nachlässigen zur Verantwortung fordert. Der würdige Chef des Re­giments läßt sich zur Erhaltung der äußerlichen Schulordnung und zur besseren Auf-- munterung der Kinder zum Fleiße monathlich eine unpartheiische Liste von der Auf­führung und dem Fleiße jedes Schulkindes nebst Proben von den Fortschritten, die im Rechnen, Schreiben und in Anfertigung eigner Aufsätze gemacht wurden, vorlegen. Diese Liste wird gemeiniglich vor der Abgabe allen Kindern öffentlich vorgelesen und mit einigen kurzen Bemerkungen begleitet, um die Aufmerksamkeit der Kinder zu erwecken. Die Kinder beiderlei Geschlechts sind in drei Klassen nach ihrer Fähig­keit abgetheilt und besuchen die Schule zu verschiedenen Stunden. Sie erhalten zwei von Herrn Feldprediger Mörschel für sie hauptsächlich verfertigte Lesebücher umsonst. Zur Schule gehört eine kleine Bibliothek, die der Lehrer zu seiner Zubereitung ge­braucht und aus derselben den fähigeren Kindern Sonntagsbücher zur eigenen Lektüre