Heft 
(1908) 17
Seite
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Friedrich Wienecke.

Einen vorzüglichen Rnf genoß auch die Schule des Regiments Gensdarmes. Das Regiment war eine Elite-Truppe. Die Soldaten stammten aus wohlhabenden Bürger- und Bauernfamilien und dienten zum größten Teil freiwillig. Diese Tatsache wirkte fördernd auf die Schulverhältnisse. Sie litten nicht, wie bei andern Regimentern, unter der Armut der Eltern und den durch sie bedingten Miterwerb der Kinder. Der Schulbesuch der Kinder war regelmäßig und ihre Aus­rüstung mit Lernmitteln geschah in genügender Weise. Au der Regi­mentsschule wirkte der Lehrer Kiesewetter, der durch sein pädagogisches Geschick und seinen Eifer gute Unterrichtserfolge erzielte. Die noch vorhandenen Schulberichte und Kinderlisten zeugen von Gewissenhaftig­keit und Akuratesse und auch von dem günstigen Stand der Schule.

Nach einem Bericht vom 1. Juni 1784 wurde die Schule von 77 Knaben und 55 Mädchen besucht. Von diesen lernten

Buchstaben

8

Knaben

13

Mädchen

buchstabierten

24

14

-

konnten lesen

45

-

28

-

Es schrieben von ihnen Buchstaben

16

Knaben

12

Mädchen

Zeilen

6

-

9

-

nach Vorschrift

20

.

8

-

(Zu bemerken ist, daß die kleinen Kinder erst lesen und dann schreiben lernten; daraus erklären sich die abweichenden Zahlen.)

In bezug auf Schulbesuch erhielten das Prädikat

sehr unordentlich 3 Knaben 2 Mädchen

unordentlich 10 - 12

ordentlich 64 - 41

Die Schule des Regiments Nr. 25 von Möllendorff stand inbezug auf Leistungen hinter den genannten nicht zurück. Der noch vorhandene Schulplan stimmt im wesentlichen mit dem des Regiments Nr. 46 über­ein und zeigt wde dieser den Einfluß der Rochowschen Pädagogik. Es

mit nach Hause gibt. Die Methode ist der wahrscheinlichen künftigen Bestimmung, nämlich der Mädchen zum Dienst bei Herrschaften und zu den Pflichten der Haus­mütter und den Knaben zu Soldaten und Handwerkern, angemessen. Dabei richtet der Lehrer sein Augenmerk nicht bloß auf Unterricht sondern auch auf Erziehung. Die Leseübungen erstrecken sich vor allem auf deutschgeschriebene, sodann auf ge­druckte und endlich auf deutsche mit lateinischen Typen geschriebene Aufsätze, wozu das Lesebuch, das Aufsätze aller dieser Art enthält, eingerichtet ist. Der Religions­unterricht wird in allen Lehrstunden, die dazu schickliche Veranlassung darhieten, eingewebt. In der Geschichte, Erdbeschreibung und Kosmologie, soviel den Kindern nöthig ist, erteilt der Herr Feldprediger Mörschel Unterricht. Die Schreibübungen begreifen zugleich Übungen in Anfertigung solcher Listen und Aufsätze, die einen Tlieil des Unteroffiziers- und Feldwebelgeschäfts ausmachen. Die Regeln zum Rechnen werden mit ihren Gründen gegeben, um hierdurch bei denen, die fähig dazu sind, auch den Verstand zu schärfen.