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Friedrich Wienecke.
von 3 TI. bestimmt. Die Revierschule wurde von 86, die Kasernenschule von 136 Kindern besucht. Den im Revier wohnenden Eltern stand es frei, ihre Kinder in die Parocbialschulen zu schicken. Sie erhielten aus Mitteln des Regiments das erforderliche Schulgeld. Diese Kinder standen aber auch unter Aufsicht des Feldpredigers und wurden bei dem öffentlichen Examen in der Regiments- oder Revierschule examiniert. Zeigten sie in ihrem Wissen und Können Mängel, in ihrem Schulbesuch Nachlässigkeit, oder gaben sie durch ihr Betragen zu Bedenken Anlaß, so wurden die Eltern zur Rechenschaft gezogen und die Kinder der Kasernen- oder Revierschule überwiesen. Über den Zustand der anderen Regimentsschulen fehlen eingehende Nachrichten. Aber auch sie hatten ihre Schulen entsprechend reorganisiert und ihre Lehrer zur weiteren Ausbildung nach Reckalm geschickt. Wenn sie nicht auf gleicher Höhe standen wie die genannten Schulen, so lag das zum größten Teil in den ungünstigen sozialen Verhältnissen, mit denen die meisten Soldatenfamilien zu kämpfen hatten.
Einen neuen Antrieb zum Weiterstreben erhielten die Berliner Regimenter durch den König Friedrich Wilhelm II. Der Monarch schenkte jedem Regiment bei seinem Regierungsantritt 50 TI. zum Besten der Schule. Eine Reihe von Kabinettsorder, Reskripte des Oberkriegskollegiums machte den Regimentern die Forterhaltung und Verbesserung der Schulen zur Pflicht. Durch die reiche Fundierung der Potsdamer Garnisonschule ( 22 . 9. 1788) gab der König den Regimentschefs ein leuchtendes Vorbild, und diese wie ihre Ivompagniechefs ließen es an „Nacheiferung aus patriotischem Sinn“ nicht fehlen. Der unermüdliche Feldpropst Kletsehke ließ keine Gelegenheit ungenutzt, den König und hochstehende Persönlichkeiten für die „so hochnothwendige Bildung und Erziehung der Soldatenkinder“ zu interessieren und die Feldprediger mit Nachdruck an ihre wichtige Pflicht, den Unterricht zu fördern und zweckmäßig zu gestalten, zu mahnen. Eine Reihe von praktischen Schulbüchern, die speziell für den Unterricht in den Regimentsschulen berechnet waren, erschienen (so die Bücher vod dem Feldprediger Junker in Magdeburg, Inf. Reg. Nr. 5, dem Feldprediger Mörschel, Inf. Reg. Nr. 46, dem Rektor Wippel u. a.). Nicht nur in Militär- 1 ) sondern auch in Bürgerkreisen nahm man mit Interesse Kenntnis von den Schuleinrichtungen, von den Unterrichtserfolgen, die erzielt wurden, und von den Berichten 3 ) über die Schulprüfungen, die in Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht wurden.
■) Den Prüfungen in der Pfuhlschen Regimentsschuie wohnten wiederholt die Prinzen Ludwig und Heinrich, Söhne des Prinzen Ferdinand, bei. Yergl. Voss. Ztg. 26. Juni 1787, 76. Stck.
a ) Siehe Urkunde 4.