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Friedrich Wienecke.
ablehnte. Die Kinder wetteiferten gleichsam, so zu antworten, wie er fragte. Herr August Brandt, der Lehrer der geprüften Schule, dem (las Bewußtsein, Gutes gestiftet zu haben, werther ist, als aller irdischer Lohn, der mit rastloser Thätigkeit arbeitete, genoß bei dieser Gelegenheit die seinem Herzen angemessene Belohnung im vollsten Maße. Am Schlüsse der Prüfung wurde einem Mädchen, welches keiner, der sie kannte, nach öffentlicher Befragung aufs Gewissen, einer Unart zu beschuldigen vermochte, ein besonderes Ehrenzeichen ertheilt. Da fand die angenehme Verlegenheit statt, daß -1 Mädchen des Zeichens, welches nur eins bekommen konnte, verdienten. Einige Tage nach der Prüfung haben alle Kinder der Schule größere und kleinere Geschenke als Werthschätzungszeichen bekommen.“
Bericht der Vossisehen Zeitung vom 1. Juli 1788, Stück 79, über die Prüfung in der von Braunschen Regimentsschule: „Am 25. Juni
wurde mit der etwa einem Jahre von dem würdigen Kommandeur des von Braunschen Regiments, Herrn Oberst von Kloeden, errichteten 1 ) und durch den milden Beitrag der Herrn Kompagniechefs unterhaltenen Kasernenschule dieses Regiments die erste öffentliche Prüfung angestellt. Gegen 9 Uhr führte Herr Scholze, der Lehrer derselben, ein geschickter und thätiger Mann, seine sämtlichen Schüler und Schülerinnen nach der böhmischen Kirche. Sobald der Herr Kommandeur des Regiments erschienen war, eröffnete der Herr Feldprediger Massow diese Feierlichkeit mit einer kurzen und ganz zweckmäßigen Rede. Hierauf wurden beide Klassen von ihrem Lehrer im Lesen, Rechnen, Geographie, Naturkunde und in Religionskenntnissen geprüft. Es war ein wahres Vergnügen, den Lehrer fragen und die Kinder antworten zu hören. Alles war zweckmäßig und richtig, daß man wohl niemand dieser Prüfung seinen Beifall nicht versagen konnte. Die beiden Herrn Kommandeurs wurden dadurch nicht nur völlig überrascht, daß ihre Wohlthaten auf die beste Weise angewendet worden, sondern faßten auch sogleich den Entschluß, nachdem sie die Lehrer und die Schüler durch ein verdientes Lob aufgemuntert hatten, diesen Tag den Schülern noch feierlicher zu machen. Es wurde dem Feldprediger Massow eine nahm- hafte Summe Geldes vom Regiment ausgehändigt, um einen kleinen Theil sämtlicher Kinder in der Schulstube mit Kuchen und Wein zu bewirthen, und für den andern an die vorzüglich fleißigsten Geschenke an Kleidungsstücken zu machen.
Möchte doch dies edle Beispiel des von Braunschen Regiments andern Regimentern in der Armee zur Nachahmung reizen, damit sie die Pflicht an arme Soldatkinder übten, die ihre Väter nicht erfüllen konnten!
Die öffentlichen Prüfungen bildeten den Glanzpunkt im Schulleben. Sie fanden in der Regel in den Tagen vor der großen Revue
') Die Schule des Regiments bestand Bchon seit 1721; der Einsender meint die neuerrichtete Kasernenschule.