Beiträge zum Berliner Schulwesen.
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statt lind wurden mit großer Feierlichkeit begangen. Die Feldprediger erließen besondere Einladungen an die Offiziere des Regiments, an Schulmänner und Freunde der Schule und fügten in der Regel eine pädagogische Abhandlung bei. In einem Programm (1786) behandelt der Feldprediger Mörschel (Inf. Reg. Nr. 46) das Thema: „Über deu Geist einer preußischen Militärschule,“ dessen Ausführungen seinem pädagogischen Verständnis und vor allem seinem Ernst und Eifer um die Bildung der Soldatenjugend alle Ehre macht. Er führt aus, daß Religion und Tugend die Grundlagen der Erziehung und Bildung sein müssen. Der Mensch und auch der Soldat bedürfe in seinem Leben der ersteren als Stütze, der letzteren als Begleiterin. Daher siud die Soldatenkinder für das Große, Erhabene, Edele usw. zu begeistern und zur Tugend (Ehrliebe) zu führen. Am wirksamsten geschieht dies, wenn der gesamte Unterricht diesem Ziele nachstrebt und den Kindern Beispiele bietet, die Gottesfurcht, Königstreue, Menschen- und Vaterlandsliebe erwecken.
Der Feldprediger Mehring beantwortet in seinem Programm (1789) die viel umstrittene Frage: „Darf der Soldat gründliche Einsichten besitzen?“ Er tritt der oft geäußerten Meinung entgegen, „der Soldat müsse aus Furcht gehorchen, Bildung mache ihn unzufrieden mit seiner Lage und mißmutig“ und weißt nach, daß Bildung zu dem Begriff eines guten Soldaten gehört. Der Soldat bedarf der Bildung als Mensch und zu seinem Beruf. Der ungebildete Soldat gehorcht aus Furcht, der gebildete hingegen aus sittlichem Ehrgefühl und aus dem Bewußtsein der Pflicht, ln einem andern Programm (1791) weist er den sittlich veredelnden Wert der Beispiele nach und mahnt, solche den Kindern zu bieten, um durch sie Königstreue und Vaterlandsliebe zu erzeugen.
Von historisch-pädagogischem Wert ist die Schrift des Rektors und Predigers Lorenz aus Köpnick: „Zuruf an alle Generale, Regimentschefs, Magistrate, Inspektoren, Prediger und Beamte, veranlaßt durch den am 12. Juli d. .1. gehaltenen Examen der Kasernenschule des Infanterieregiments von Pfuhl. Berlin 1789.“') Der Verfasser will dem Zweck der Bildung der Soldatenjugend dienen und zeigt, was durch den patriotischen Eifer des Generals von Pfuhl und seiner Kompagniechefs geschaffen und was durch treue Arbeit und gewissenhafte Pflichterfüllung erreicht worden ist. Er schildert den Verlauf der öffentlichen Prüfung, die Leistungen der Schüler in den einzelnen Fächern und weist auf die Ilerzensgüte und Fürsorge des genannten Generals und seines Freundes, des Ministers von Herzberg, der regelmäßig Gast bei diesen Veranstaltungen war, hin. Interessant ist, daß die vorzüglichsten Kinder beschenkt
') An der Schule des Regiments von Pfuhl war der bekannte Pädagog Wilberg, Schüler F. E. v. Rochows und Lehrer Diesterwegs, tätig.