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Friedrich Wienecke.
wurden, die Knaben mit Kleidungsstücken, die Mädchen mit weißen und roten Rosen. Es ist dies ein echt philanthropischer Zug und eine Sitte, die auch in anderen Schulen (z. B. in den Hartungschen) gepflegt wurde.
Der Geist, der in den Regimentssckulen herrschte, war ein ganz vorzüglicher. Die strafte militärische Zucht, die durchaus nicht den Charakter der Willkür und Härte trug, der unbedingte Gehorsam, den die Kinder als ein Erbteil des Hauses mitbrachten, und die Achtung und Ehrfurcht, die Prediger und Lehrer durch den Einfluß des Regimentschefs und der Kompagniechefs genossen, wirkten fördernd auf den Erfolg des Unterrichts. Die Berliner Regimentsschulen gehörten, und das wird ihnen von namhaften Schulmännern bezeugt, zu den besten Elementarschulen der Stadt; sie hatten nicht mehr, wenigstens nicht in ihren Leistungen, wie vor Jahrzehnten, das Gepräge der Armenschulen.
Die erhöhte Bildung der Soldatenkinder lag auch im Interesse des Regiments und der Kompagniechefs. Nach den damaligen militärischen Bestimmungen standen die Kinder der geworbenen Ausländer zu dem Kompagniechef ihres Vaters in einem Abhängigkeitsverhältnis, ähnlich wie die Kinder der erbuntertänigen Bauern zu dem Gerichtsherrn ihrer Väter. Der Kompagniechef konnte über ihren künftigen Beruf bestimmen. ln der Praxis begrenzte sich dies Recht auf die zum Soldatenberuf geeigneten Knaben. Sie mußten, sofern es verlangt wurde, bei dem Regimente, bezw. der Kompagnie verbleiben und wurden als sogenannte zu „Ausländern deklarierte Einländer“ eingestellt. Der Koinpagniechef sparte das Werbegeld und zahlte nur einen mäßigen Betrag, 30 TI., an die Werbekasse des Regiments. Aus diesen Soldatensöhnen rekrutierten sich die Unteroffiziere des Regiments, und es lag im Interesse der Chefs, wenn sie des Lesens, Schreibens und Rechnens kundig waren und auch einige Gewandtheit im mündlichen und schriftlichen Ausdruck besaßen. In der Schulpraxis wurde dieser Tatsache Rechnung getragen; die Lehrer wandten den Knaben eine besondere Aufmerksamkeit im Unterrichte zu.
In den folgenden Jahren machte die innere Ausgestaltung der Regimentsschulen günstige Fortschritte. Der schon genannte Feldprediger Mehring brach mit dem Prinzip der Zweistufigkeit und organisierte die Schule (Regiment No. 46) dreistufig. Bei der Aufstellung des Schulplans (28. 9. 1791) ließ er sich nicht nur von praktischen Gesichtspunkten, sondern auch von psychologischen Grundsätzen leiten. Es heißt:
„Die Schüler und Schülerinnen dieser Schule werden nach ihren verschiedenen Jahren und Kenntnissen in drei verschiedenen Klassen unterrichtet. Diese Einteilung der Schule in drei Klassen beruht auf folgenden Gründen: