Heft 
(1908) 17
Seite
367
Einzelbild herunterladen

Beiträge zum Berliner Schulwesen.

367

1. Die Eltern der Kinder sind größtenteils, wie leicht zu erachten ist, sehr dürftig. Sie dürfen zwar für den Unterricht der Kinder nichts bezahlen, allein sie würden doch schon dadurch viel verlieren, wenn sie ihre Kinder den ganzen Tag entbehren müßten, indem so selbige zu ihrem Erwerb sehr nöthig gebrauchen. Deshalb gehen die Kinder in der ersten Klasse drei Stunden des Vormittags, die Kinder der zweiten Klasse zwei Stunden des Nachmittags und die Kleinen, der der dritten Klasse, nur eine Stunde täglich und zwar des Nachmittags zum Unterricht.

2. Ein zweiter Grund dieser Einteilung ist, wie es uns scheint, den Gesetzen gemäß, nach welchen sich der menschliche Geist entwickelt, die Aufmerksamkeit der zu bildenden Kinder in dieser Zeit zu be­schäftigen.

Er fordert unter Beschäftigung und Gegenstände des Unterrichts in der dritten Klasse:

Man sehe vor allen Dingen bei den kleinen Schülern und Schüle­rinnen dieser Klasse, Aufmerksamkeit und Nachdenken rege zu machen und zu befördern. Dazu geben die bekanntesten Dinge aus dem Kreise ihrer eigenen Wahrnehmung und vorzüglich aus der Naturgeschichte reiche und mannigfache Veranlassung. Hervorbringung und Beförderung richtiger Vorstellungen von den sie umgebenden Dingen, die größten­teils künftig Gegenstand ihrer Betriebsamkeit werden, und deren mannigfacher Nutzen ist die Absicht der vom Lehrer mit ihnen über diese Dinge angestrengten Unterhaltungen. Da wird von der Wolle, die sie und ihre Väter kleidet, und also auch vom Schaf, das sie liefert, vom Eisen, aus welchem die Gerätschaften zum Ackerbau und andere Dinge verfertigt werden, vom Holz, das zum Bauen, Heizen u. drgl. gebraucht wird, und von unzählig anderen nützlichen Dingen mit ihnen geredet. Der Lehrer läßt sie irgend ein Geräth, was in der Stube ist, das ihre Eltern zur Arbeit gebrauchen, ein Gewäohs, ein Thier und den Nutzen und die Bestimmung desselben anführen. Jedem Kinde wird ein zu diesem Behufe gewäldtes Wort mit nach Hause gegeben, das sie behalten müssen und worüber in der folgenden Stunde ge­sprochen wird. Der Lehrer erzählt ihnen in dem ihrem Alter ange­messenen Thon dann und wann eine Geschichte aus dem Kinderleben, durch welche sie den Nutzens und das Belohnen einer guten Aufführung und eines rechtschaffenen, gehorsamen und ordentlichen Verhaltens kennen lernen. Diese Unterhaltungen sind so, wie sie für das Alter sein müssen, höchst einfach und so sinnlich wie möglich.

Nachdem so die kleinen Kinder unterrichtsfähig gemacht sind und sich an dem Geist des Schullebens gewöhnt haben, sollte die Unter­weisung zum Lesen und Rechnen (nicht Schreiben) folgen.

Was das Lesenlernen anbetrifft, so werden ihnen zuerst die Figuren der Buchstaben auf einer großen Tafel gezeigt. Sie lernen sie so durch das Zeigen des Lehrers sowohl einzeln als auch in ihrer Verbindung