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Friedrich Wienecke.
kennen, lernen auf diese Weise syllabieren und lesen, indem ihnen dieselben Figuren und Buchstaben auch im Buche gezeigt werden, so wie überhaupt die Übungen im Buche und auf der Tafel mit einander abwechseln. Zum Schreiben wird in dieser Klasse noch gar keinen Anfang gemacht, und das Rechnen besteht bloß in der Kenntniß der Figur und in der Aufeinanderfolge der Zahlen.“
Das Ziel der zweiten Klasse war geläufiges Lesen und Schreiben, die vier Grundrechnungsarten mit ganzen Zahlen und einfache Aufgaben aus der Regeldetrie.
Die Aufgabe der ersten Klasse bestand zunächst in der Erweiterung der bisher erlernten Kenntnisse und Fertigkeiten, sodann traten Stil- und Aufsatzübungen, Bruchrechnung, Gesellschaftsrechnung, Moral, Geschichte, Erdkunde, Naturbeschreibung, Gesundheitslehre und Naturlehre hinzu. Der Religionsunterricht war mit diesen Stunden verwebt, die sittliche Bildung wurde betont, der positive (speziell konfessionelle) Religionsunterricht blieb dem Konfirmandenunterricht Vorbehalten. Eigenartig ist, daß dem Gesangunterricht kein Raum im Rahmen des Lehrplans angewiesen ist. Erteilt wurde er; er beschränkte sich auf das Singen von Volksliedern und Chorälen, Übungen wurden nicht vorgenommen.
Leider konnte der Unterricht diesem Lehrplan nur ein Jahr folgen. 1793 wurde das Regiment nach Thorn, 1795 nach Warschau verlegt. Es hat aber auch in diesen beiden Garnisonen den Ruf seiner Schule, die hier wieder zweiklassig wurde, unter den pflichttreuen Lehrern, Krüger und Heinicke, und den Feldpredigern, Seiler und Iiägler, bewahrt.
Dieser eben skizzierte Lehrplan wurde später auch bei der Schule des Regiments No. 25 von Möllendortf eingeführt.
Eine indirekte Verbesserung erfuhren die Verhältnisse der Regimentsschulen durch die Gewährung der Kinderverpflegungsgelder. Am 28. März 1792 bestimmte der König, daß den bedürftigen Soldateneltern für jedes Kind im Alter von 1—13 Jahren eine monatliche Unterstützung von 8 gGr. gezahlt werden sollten. Die Zahl der Kinder wurde als sogenannte „eiserne Zahl“ für eine Kompagnie Infanterie auf 40, für eine Eskadron Husaren auf 36 und für eine Eskadron Kürassiere auf 52 festgesetzt. Es erhielt eiu Infanterieregiment jährlich 1920, das Husarenbataillon von Rudorff 720 und das Kürassierregiment Gendarmes 1040 TI. Die Gelder wurden monatlich von den Kompagniechefs verteilt und dui’ften nur zur körperlichen Pflege der Kinder verwandt werden. Deshalb fanden monatlich vor den Kompagniechefs und Feldschers und jährlich vor dem Regimentschef und demRegimentsfeldsclierBesichtignngen statt. Eltern, deren Kinder sich durch gute Körperpflege und Gesundheit auszeichneten, empfingen Prämien; wurden die Kinderverpflegungs-