370
Friedrich Wienecke.
Jedes Kürassierregimeut erhielt einen jährlichen Zuschuß von 75 TI. und ein Husarenregiment einen solchen von 120 TI.
Der Zuschuß des Schulfonds erfuhr aber, sobald die Schule in der Kaserne gehalten wurde, und das traf bei allen Berliner Regimentern zu, eine Verminderung von 30 TI. Jedes Infanterieregiment erhielt nur 70 TL, sein 3 Musketierbataillon 36 Ti. und seine Invalidenkompagnie 6 TI. Das Regiment Gensdarmes bekam eine Beihilfe von 48 TI. und die 5 Eskadronen Husaren No. 2. eine solche von 42 TI. Die Regimenter 1 und 23, deren größere Kinder die Garnisonschule besuchten, und die dritten Bataillone der Regimenter 13 und 11), die in Spandau und Küstrin garnisonierten, und deren Kinder der dortigen Garnisonschule überwiesen waren, empfingen keinen Zuschuß. Die vom Oberkriegskollegium festgesetzte Besoldung der Lehrkräfte wurde von den Regimentern schon seit Jahren bedeutend überschritten. Die ersten Lehrer an den Kasernenschulen erhielten schon seit Jahren 120—144 TL, die zweiten Lehrer (Küster) 48 TL ohne Küstereinkommen und die Industrielehreriunen 60 TL Dazu kamen Miete, Ilolzgeld und die nicht unbedeutenden Geschenke gelegentlich der öffentlichen Prüfungen.
Die oben genannte Kabinettsorder regte das Interesse der Regimentsund Kompagniechefs für die Schulen von neuem an. Es wurden besondere Regiinentssehulkornmissionen die aus einem Stabsoffizier als Vorsitzenden, einem Leutnant, dem Feldprediger, dem Auditeur und Regimentsquartiermeister als Beisitzern bestanden, gebildet. Der Offizier überwachte den Schulbesuch, zog die säumigen Eltern zur Rechenschaft und unterstützte die Lehrer in der Handhabung der Disziplin; der Prediger beaufsichtigte den Unterricht, hielt Konferenzen mit den Lehrern ab und wählte zweckmäßige Lern- und Lehrbücher aus, und der Regimentsquartier- meister, bezw. Auditeur verwaltete den Schulfonds und überwachte die Beschaffung der Materialien für den Industrieunterricht.
Auf Grund der Kabinettsorder verlangte das Oberkriegskollegiuin die Errichtung besonderer Regimentsindustrieschulen. Schon Friedrich der Große hatte sie durch Kabinettsorder vom 4. Mai 1764 an die Generalinspekteure der Truppen gefordert. Er hatte die Erwerbschulen auf seinen Feldzügen in Sachsen kennen gelernt. Ihre Nutzbarkeit hatte ihm so gefallen, daß er ihre Einrichtung bei den Regimentern beschloß. In Berlin wurden auf königlichen Befehl Erwerbschuleu errichtet und von Soldaten- und Bürgerkindei’n gemeinsam besucht. Aber ihre Einrichtung kostete 600 TL, und diese Summe konnten die Regimenter nicht aufbringen, und so blieb es bei dem Befehl. Friedrich Wilhelm II. interessierte sich lebhaft für sie und sandte den Propst Zöllner von der Nicolaikirche wiederholt auf Reisen, um ihm über die in Westdeutschland und Hamburg blühenden Industrieschulen Bericht zu erstatten. Er selbst ließ mit der Potsdamer Garnisonschule eine solche