Beiträge zum Berliner Schulwesen.
371
Schule verbinden und befahl nun den Regimentern von neuem, diese Einrichtung zum Nutzen der Soldatenkinder und -Eltern zu treffen. Die Regimenter Nr. 46 und 25 besaßen Industrieschulen, die übrigen folgten. Die Regimenter kauften die Gerätschaften und Materialien und ließen unter Anweisung und Aufsicht der Industrielehrerin Arbeiten fertigen. Die Kuaben erlernten Spinnen und Stricken und die Mädchen daneben noch Nähen. Die gefertigten Sachen, hauptsächlich militärische Bekleidungsstücke, wurden den Kindern, nachdem ein geringer Abzug zur Instandhaltung der Gerätschaften stattgefunden hatte, bezahlt. Unter den Industrieschulen der Berliner Regimenter war die des ersten Artillerieregiments durch den General von Meerkatz am zweckmäßigsten eingerichtet. Ihre Einrichtung hat den übrigen Regimentern zumeist als Vorbild gedient 1 ).
Die folgenden Friedensjahre waren der Weiterentwicklung der Schulen höchst günstig. Das geistige Leben, das in Berlin pulsierte, wirkte anregend und belebend auf die Schulverhältnisse. Die Regimentschefs und an ihrer Spitze der Feldmarschall Möllendorff waren bildungsfreundlich und die Feldprediger bestrebt, ihre Schule zu verbessern oder auf der Höhe zu erhalten. Da die Regimentsschullehrer sich besser standen als ihre Kollegen an den Parochialschulen, so waren die Stellen gesucht, und man konnte unter den Bewerbern eine geeignete Auswahl treffen. Sämtliche Regimentsschullehrer hatten das Küsterseminar und die meisten von ihnen die Musterschule in Reckahn besucht, und auch die Regimentsküster hatten als „Kursisten“ in dem genannten Seminar eine methodische und praktische Ausbildung erhalten.
Was in den Schulen geleistet wurde, darüber gibt folgender Bericht, 2 ) der über die Prüfung der Schule des Regiments Nr. 25 von Möllendorff abgefaßt ist, Aufschluß:
Den 16. November 1798 hatte die Schule des Regiments v. Möllendorff ihre öffentliche Prüfung in der sogenannten Böhmischen oder Bethlehemskirche auf der Friedrichstadt. Ich war Zeuge dieser Feierlichkeit, und weil ich glaube, daß vielen Lesern dieser Denkwürdigkeiten die Beschreibung einer solchen Feierlichkeit nicht unangenehm seyn wird, wenn so etwas zur Publicität gelangt, so theile ich hier eine ganz unpartheische Beschreibung dieser Prüfung mit.
Um neun Uhr war der Lehrer mit seinen Kindern, sowohl Knaben als Mädchen, in der Kirche. Der Herr Prediger Agricola, welcher sich rühmlichst für das Beste sowohl dieser, als der ihm auch unterordneten Schule des von Goecklingschen Husarenbataillons bemühet hat, mehrere der Herrn Officiere, wie auch Feldwebel und Unteroffiziere, auch einige der Altern der Kinder waren zugegen, als um 10 Uhr, nachdem sich die meisten der Herren Kompagniechefs versammelt hatten, die
*) Siehe Urkunde 6.
2 ) Denkwürdigkeiten der Mark Brandenburg 1798, Bd. 6, S. 1422 ff.