Beiträge zum Berliner Schulwesen.
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Garnison ist, bei welchem durch die Bemühung' des Herrn Predigers nach der Absicht des Königs 1 ) dieses Buch eingeführt worden.
Von der Unterredung über die Pflichten eines Soldaten ging er auch nach Anleitung dieses Buches unbemerkt zur Erdbeschreibung verbunden mit Geschichte des Vaterlandes über, und die Kinder bewiesen auch hier viel Fertigkeit.
Besonders verdient der Lehrer darin Nachahmung, daß er nicht nur keine Gelegenheit vorüberließ, wo er für die Soldatenkinder zweckmäßige Anmerkungen machen konnte, sondern sie gleichsam aufsuchte. So sprach er z. B. über das Zeughaus in Berlin, über den Wilhelmsplatz und die darauf befindlichen Bildsäulen, über die Bildsäule des großen Kürfürsten, über das Denkmal des Prinzen Leopold von Braunschweig in Frankfurt a. d. Oder und reisete dabei mit seinen Schülern in der Mark Brandenburg umher. Daß Stettin vom Lehrer und von den Schülern für die Hauptstadt der Neumark ausgegeben ward, war wohl mehr ein Fehler der Übereilung als des Gedächtnisses.
Zur Abwechslung sagten einige Kinder kurze Gedichte auf, welche, wenn ich nicht irre, aus den Kriegesliedern des Preußischen Grenadiers gewählt und also ganz zweckmäßig waren. Um der Prüfung noch mehr Mannigfaltigkeit zu geben, wurden die Arien: „Einen seltnen König preise“ und „Der König leb, im Jubelton etc.“ sehr angenehm und harmonisch gesungen. Im Gedächtnißrechnen bewiesen sie außerordentlich viel Fertigkeit, und im Rechtschreiben ließen sie auch nicht einen Fehler stehen, sondern zeigten sie alle an, und führten bei jedem den Grund an, warum es ein Fehler sey.
Der Satz, den der Lehrer falsch anschrieb, und von den Kindern verbessern ließ, enthielt zwey Fragen, welche ojingefähr also lauteten: Ist es nützlich, wenn man den menschlichen Körper kennen lernt? und welches ist der Nutzen? Diese Fragen veranlaßten ein Gespräch zwischen dem Lehrer und seinen Schülern über den menschlichen Körper, worin die Kinder nicht gemeine Kenntnisse verriethen, nur schien mir dies Gespräch etwas zu gelehrt zu seyn; denn er unterhielt sich mit ihnen über das Gehirn und das Rückenmark, auch über die Nerven, und ich zweifle, daß die Kinder alles verstanden, was sie beantworteten. So nützlich es auch ist, seinen Körper kennen zu lernen, so hielte ich nach meiner Überzeugung Gesundheitslehren nach Dr. Faust Gesundheitskatechismus für nothwendiger; doch kann es seyn, daß auch diese vorgetragen werden, denn man muß bei einer Prüfung nicht alles verlangen.
Die zweyte Klasse las auch sehr richtig und war im Gedächtniß- buchstabieren, wie auch in den Anfangsgründen des Gedächtnißrechnens nicht ungeübt. Zuletzt sagte ein Knabe das gewiß rührende Gedicht her: „Der kleine Magdeburger“ betitelt, und die ganze Feierlichkeit endigte mit Absingung der Arie: „Alles, was Odem hat, lobe den Herrn!“ Die ganze Feierlichkeit ging mit so vieler Ordnung und Munterkeit ab, daß ich glaube, die beiden Damen, welche des üblen Wetters unge-
’) Kabinettsorder vom 10. Juli 1798.