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Friedrich Wienecke.
Am 1. April 1811 war das schwierige Werk durch den Brigadeprediger Dr. Mann und den Garnisonprediger Schlippstein durchgeführt. Mit Schluß des Schuljahres, am 21. März 1812, fand in der Garnisonkirche eine öffentliche Prüfung statt, zu der alle Soldatenkinder, es waren über 1200, erscheinen mußten. Es war wohl mehr eine Präsenskontrolle als Prüfung, die veranstaltet wurde; denn in der für sie angesetzten Zeit von drei Stunden konnte man doch kein Ergebnis von den Erfolgen des Unterrichts erlangen. Nach einem Schulbericht des Predigers Dr. Mann vom 21. August 1812 boten die Militärschulverhältnisse folgendes Bild:
]. Schule für Kinder inaktiver Soldaten in der „Alt-
Larisch-Kaserne“ unter Leitung des Lehrers Wegen er 106 Kd.
2. Schule für Kinder inaktiver Soldaten in der „Kun-
heimschen-Kaserne“ unter Leitung des Lehrers Brandt 18t> -
3. Schule für Kinder inaktiver Soldaten unter Leitung
des Lehrers Fürstenau.195
•1. Schule der Brandenburgischen Artillerie - Brigade
Lehrer Bellert.121 -
5. Schule des 1. Westpreußischen Infanterie -Regiments
Lehrer Köhr..48 -
C. 24 Parochialschulen für Kinder aktiver Truppen . . 14G -
7. Schule unter Leitung des katholischen Inspektors
Troschel, welche von Kindern aktiver und inaktiver Soldaten besucht wird..110 -
8. Schule des Lehrers Friebezeiser, die von den Kindern
des brandenburgischen Husarenregiments besucht wird 43 -
0. Schule des Kantors Grahl, die von den Kindern der
Jägerkompagnien besucht wird.18 -
10. Garnisonschule. 200 -
Zusammen . . . 1206 Kd.
Der Prediger Mann schließt seinen Bericht mit den Worten: „Mögen freilich auch manche Wünsche übrig bleiben; immer aber ist das Resultat ein erfreuliches, wie mit so beschränkten Mitteln doch auch soviel geleistet worden ist, und es gewährte allerdings am vergangenen Ostern 1812, als in hiesiger Garnisonkirche ein öffentliches Examen gehalten wurde, einen rührenden Anblick, die 1200 Kinder zusammen zu sehen, für deren erste Bildung so wohlthätig gesorgt war!“ Mit dem Ausmarsch der aktiven Truppen verringerte sich die Zahl der der Kinder; viele Mütter zogen fort und suchten in der Heimat Erwerb. Auch die Zahl der Kinder der inaktiven Soldaten verringerte sich ständig. Die Aufsicht über die verbleibenden schulpflichtigen Soldateu- kinder führte der Diakonus an der St. Nikolaikirche, Grell, der bis dahin Rektor der Garnisonschule gewesen war. Die Schulunterhaltungsgelder zahlte die Stadt Berlin; die Begleichung der Ausgaben erfolgte nach